1979: Gerd Müller geht in die USA

Bomber über Florida

Nach 453 Spielen und 398 Toren für den FC Bayern ging Gerd Müller 1979 zu den Fort Lauderdale Strikers. Wir sprachen mit ihm über den Schritt ins Ungewisse, seine drei Spiele mit George Best und Ochsen im Sturm. 1979: Gerd Müller geht in die USA

Gerd Müller, Sie wechselten 1979 vom FC Bayern zu den Fort Lauderdale Strikers. Ein Kulturschock für Sie?

Ein bisschen Muffensausen hatte ich schon, aber die Saison dauerte nur sechs Monate, den Rest des Jahres konnte ich also in München sein. Außerdem hatten wir das Glück, den besten Platz der NASL (North American Soccer League) zu haben. Wir spielten auf feinstem Florida-Rasen. Da ging es mir wesentlich besser als dem Franz in New York, der anfangs auf richtigen Äckern gekickt hat.

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Tatsächlich?

Ja, und später hatten sie bei Cosmos zuhause Kunstrasen, ein fürchterlicher Belag.  

Gab es sonst Unterschiede zur Bundesliga? Beckenbauer erzählte, dass bei Cosmos anfänglich der Stadionsprecher noch während der Partie die Spielregeln erklären musste.

Das gab es bei uns nicht. Aber die Regeln des Spiels an sich waren anders: Abseits wurde erst ab der 35-Yard-Linie vor dem Tor gepfiffen. Außerdem gab es kein Unentschieden: nach zweimal 15 Minuten Verlängerung folgte der Shoot-Out. Und wenn das TV übertrug, dauerte das Spiel bis zu zweieinhalb Stunden.  

Wegen der Werbeunterbrechungen?

Selbst wenn es einen Freistoß gab, wurde kurz Reklame eingespielt.

War die neue Abseitsregel ein Vorteil für Sie?

Ich musste mich erst an das System gewöhnen. Wir hatten vorne nur lange »Ochsen« im Sturm – so nannten wir spaßeshalber die Briten im Team –, die ließen sich nur hoch anspielen. Da habe ich gesagt: Spielt flach und fortan habe ich wieder meine Buden gemacht.

Wurde in Fort Lauderdale anders trainiert als bei Bayern München?

Vor allem unter anderen Bedingungen – wir hatten in Florida teilweise 48 Grad. Das bedeutete, dass wir oft nur eine Trainingseinheit am Tag machten – um neun Uhr morgens.

Für Franz Beckenbauer war der Wechsel nach New York eine der besten Entscheidungen seines Lebens. Wie war es für Sie?

Ohne Zweifel. Es waren tolle Teams, in denen ich dort gespielt habe: Zum Beispiel mit Teófilo Cubillas aus Peru, Bernd Hölzenbein und Georgie Best, mit dem ich noch acht Wochen kicken durfte. Das Erste, was er zu mir sagte, war: »Wir werden schon sehen, wer hier der Star ist.«  

Klingt nach britischem Sportsgeist.

Der Nordire war wohl ein bisschen sauer, dass sie mich ins Team geholt hatten.  

Warum ist George Best so schnell gegangen?

Der ist gegangen worden. Wir waren auf einer Kalifornien-Tour und machten drei Spiele in Los Angeles, San Diego und San Jose. Irgendwo in der Nähe von L.A. hatte seine damalige Freundin ein Lokal, zu dem er eines Abends mit seinem Manager fuhr. Obwohl die beiden gemeinsam zurückkamen, war Best am nächsten Tag nicht bei der Team-Besprechung dabei. Da hat ihn unser Präsident entlassen.

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