04.03.2014

19. November 1969: Pelé schießt sein 1000. Tor

Der Mann vom Mond

Vor mehr als vier Jahrzehnten machte sich Pelé endgültig unsterblich: Sein 1000. Tor versetzte Brasilien in Ekstase – und war der Fußballnation sogar wichtiger als die Mondlandung.

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Ein schnöder Elfmeter. Beinahe aus dem Stand. Nach einem Foul, so harmlos wie ein neugeborenes Lamm. Das 1000. Tor einer Weltkarriere. Der legendärste Treffer des besten Fußballers aller Zeiten.

Am Ende dürfte es selbst Pelé egal gewesen sein, wie sein Tor schließlich fiel. Schon seit Wochen fieberten seine Mitspieler beim FC Santos, seine Fans, ganz Brasilien auf diesen Treffer hin. Spätestens, seit ihm am 15. Oktober 1969 beim 6:2 gegen Portuguesa Desportes die Tore 990 bis 993 gelungen waren, hockten noch mehr Fotografen und Reporter am Spielfeldrand. Allzeit bereit, die frohe Kunde von der 1000 zu vermelden.

»Mich machte das alles schrecklich nervös«

Und Pelé, der »König« aus Santos? Er schoss plötzlich keine Tore mehr. Selbst ihm, dem zweifachen Weltmeister und berühmtesten Spieler des Planeten wurde der Druck zu groß. »Mich machte das alles schrecklich nervös«, erinnerte sich Pelé 1976 in einer Artikel-Serie für die »Bild am Sonntag« anlässlich seines Abschieds von der Fußball-Bühne. Endlich: Tor Nummer 994, Nummer 995, dann auch 996. Wieder eine Flaute. Die großen Zeitungen zogen ihre zusätzlich ausgesandten Korrespondenten aus Kostengründen schon wieder ab, da gelangen Pelé am 12. November beim Spiel gegen Santa Cruz die Treffer 997 und 998.

Der 15. November. FC Santos gegen Botafogo in Paraiba. Tatsächlich gelang Pelé erneut ein Tor – nach Meinung vieler Sporthistoriker sogar schon Nummer 1000. Man habe, so die Experten, bei der öffentlichen Aufzählung seiner Ruhmestaten einen Treffer für die Militärauswahl Brasiliens unterschlagen. Zitat von Pelé in seiner 2006 erschienenen Autobiografie »Pelé – mein Leben«: »Ob das stimmt? Vielleicht.« Gegen Botafogo blieb ihm jedenfalls ein zweites Tor verwehrt – weil er plötzlich selbst Tore verhindern musste. Eingeteilt als Ersatztorwart im Falle einer Verletzung von Stammkeeper Agustin Cejas, musste sich der Stürmer nach einem unglücklichen Zusammenprall seines Schlussmanns tatsächlich das Trikot mit der Nummer 1 überstreifen. Absurde Szenen: Der Mann, auf dessen Jubiläumstreffer die ganze Nation wartete, sprang auf einmal im Torwartleibchen durch seinen eigenen Strafraum. Pelé: »Was ich weiß ist, dass ich den Gegnern als Ersatztorwart nicht ein einziges Tor gestattete!«

Das nächste Spiel, der nächste Gegner, die nächsten 90 Minuten Warten auf den großen Knall. Diesmal in Bahia. Mitte der zweiten Halbzeit tauchte Pelé plötzlich frei im Strafraum auf, umspielte zwei Verteidiger, schoss – und musste mit ansehen, wie ein herbeigeeilter Gegenspieler mit heldenhaften Einsatz sein Tor verhinderte. Die Menge in Bahia, um das Spektakel gebracht, buhte den eigenen Mann hemmungslos aus. Wieder musste die große Party verschoben werden.

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