1860 München und der Investor

Märchen aus 50 plus einer Nacht

Bei 1860 München scheint das Tischtuch zwischen dem Investor und dem Verein endgültig zerschnitten. Ein Blick auf die Protagonisten und ihre Pläne zeigt: Das konnte nicht gut gehen.

»Ich werde das sagen.« Das ist so ein Satz, der vor allem dann fällt, wenn zwei Halbwüchsige im Kindergarten streiten. In der Folge zerrt meist einer am Ärmel der Erzieherin, bevor sich beide gegenseitig aller erdenklichen Missetaten beschuldigen. Der Vergleich des TSV 1860 München mit einem Kindergarten mag sich über die Jahre, oder mittlerweile Jahrzehnte, aufgezehrt haben, doch Hasan Ismaik hat die Bandbreite kleinkindhafter Allüren am Montagabend um einen Satz erweitert: »Ich gehe zur DFL.«

Ismaik, der jordanische Investor, der dem Verein mit seiner Millionenspritze vor anderthalb Jahren aus der Klemme geholfen hatte, verließ mit diesen Worten die mehr als vierstündige, aber ergebnislose Sitzung an der Grünwalder Straße. »Ich gehe zur DFL« und Ismaiks weitere Feststellungen, dass es sehr kalt sei und dass er mit »diesen Leuten« nicht zusammenarbeiten könne, vermerken nicht wenige schon einmal als seine letzten Worte bei 1860. Die Zeichen stehen nach den gescheiterten Verhandlungen auf Abschied des Geldgebers, allerdings nicht zum ersten Mal. Ismaik und seine Vertreter haben mittlerweile fast häufiger mit einem Abschied oder Zahlungsstopp gedroht, als im »Löwenstüberl« angestoßen wird.

Verstoß gegen die 50+1-Regel

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Ismaik mit der DFL genau jene Instanz zu konsultieren gedenkt, auf die sich eigentlich sein Gegenspieler stützt: Dieter Schneider, der Präsident des Vereins. Während der Geldgeber den Sparkurs des Vereins aufgeben, investieren und personell umrüsten will, bremst Schneider und warnt vor einer Neuverschuldung des Vereins. Am Montag erklärte er, dass Ismaik Entscheidungskompetenzen gefordert habe, die »über das von der DFL erlaubte Maß hinausgehen«. Die Einflussnahme des Investors auf personelle Entscheidungen würde die »50+1-Regel« unterlaufen. Die DFL bleibt die Erzieherin, an der sowohl Präsident wie auch Investor zerren. Mit einem Machtwort hat sie sich bisher zurückgehalten.

Auf der einen Seite steht Hasan Ismaik, 36 Jahre alt, rundlicher Typ, kein Scheich, aber ein gewiefter Geschäftsmann. Geboren in Kuwait, in Jordanien aufgewachsen, Studium in Bagdad. Ein Öl- und Immobilienhändler, der vom Boom im Jahre 2007 profitierte. Nach eigenen Angaben seien »70 Prozent aller arabischen Machthaber seine Freunde«. Einer seiner weniger mächtigen, aber dennoch gut vernetzten Freunde brachte ihn auf die Idee, in München zu investieren: der Palästinenser Hamada Iraki, ehemals Managing Director bei der Unicredit in München, nebenbei Café- und Nachtclubbetreiber.

»1860 ist nur der Anfang«

Iraki schaute in seiner Funktion bei der Unicredit häufiger in den Logen der Münchener Arena vorbei, er war sehr angetan. So wurde er zum Vermittler zwischen seinem Freund Ismaik und dem 2011 wirtschaftlich darbenden Sechzgern. Er wolle in Deutschland Kontakte knüpfen, betonte Ismaik. »1860 ist nur der Anfang, ich werde weiter in Deutschland investieren, an die 200 Millionen Euro. Dies soll von München aus gesteuert werden.«

Auf der anderen Seite steht Dieter Schneider, 65 Jahre alt, hagere Gestalt, der Präsident des Vereins. Ein Mittelstandsanierer, Autohausbesitzer, Kunststoff-Fabrikant, der für sein Engagement in der bayrischen Wirtschaft das Bundesverdienstkreuz erhalten hat und nur wenige Zeit nach seiner Amtsübernahme über nicht viel weniger als die Zukunft des Vereins entscheiden musste, über den Antrag zur Insolvenz.

»Ich habe in meiner langen Berufslaufbahn sicher einiges erlebt. Aber was die letzten Monate bei 1860 abgelaufen ist, war einzigartig in der Belastung«, sagte Schneider nach der Einigung mit Ismaik im Juni 2011 der »Süddeutschen Zeitung«. Der abgekämpft wirkende Schneider, der auch die letzten Gläubiger überzeugte, wurde bei den Fans zum Helden der Rettung – zum Leidwesen des Geldgebers. In der Folge nahm Schneider die Rolle als letzter Verfechter des Vereins, als Bastion gegen die Eingriffe von Ismaik ein.

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