1860-Investor Hasan Abdullah Ismaik

Kauf dir die Welt, wie sie dir gefällt

Rettung in letzter Sekunde: Weil ein reicher Jordanier viel Geld in den kurz vor der Insolvenz stehenden TSV 1860 München pumpte, bleibt der Traditionsverein am Leben. Damit ist auch der deutsche Fußball zum teuren Spielzeug verkommen. 1860-Investor Hasan Abdullah Ismaik

Mann zu sein ist eigentlich nichts Schlechtes: es schickt sich, selbst im Alter noch zu spielen, ob auf dem Bolzplatz oder vor dem Computer. Wie die ganz Großen kann man etwa beim FIFA Soccer Manager die besten Fußballspieler dieser Welt kaufen, seine Traummannschaft zusammenstellen und zeigen, wie der Hase hoppelt. Wer sich klug anstellt, häuft ein paar hundert Millionen an und verpflichtet Messi, Robben oder Özil.

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Schließlich spielt es sich mit Geld im Fußball leichter, eigentlich sogar ganz einfach. Lange Zeit war doch dies das Rezept des Erfolges: Man nehme viel Geld, kaufe sich die besten Spieler und gewinne die Pokale dieser Welt. Der FC Chelsea, Inter Mailand, Real Madrid und Manchester City gehören zu den großen Verfechtern dieser simplen aber kostspieligen Angelegenheit.

Schwerreiche Rotzlöffel

Man stelle sich vor, dass ein paar schwerreiche Rotzlöffel gemeinsam vor ihrer Spielkonsole gesessen haben und ganz plötzlich genug davon hatten, die Spieler nur virtuell zu besitzen. Sie wollten mehr, schließlich kann man sich mit Geld ja alles kaufen. Einer dieser verwöhnten Buben war der russische Ölmilliardär Roman Abramowitsch. 2003 kaufte er den FC Chelsea, das Märchen des reichen Mannes auf dem Schimmel begann. War der Verein eben noch so gut wie pleite, stellte der Gönner en masse Blankoschecks aus um sich die Mannschaft ordentlich aufzupimpen. Sein Training am PC zahlte sich aus: Drei Mal gewann Chelsea seitdem die englische Meisterschaft.

Und plötzlich ist es unter Milliardären en vogue, sich einen Fußballclub zu halten: die Hälfte der englischen Premier-League-Klubs hat in den vergangenen Jahren den Besitzer gewechselt. Am besten geübt zu haben scheint aber Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan, Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi. 2009 kaufte er Manchester City.

Ein Traditionsverein ohne Können

Deutsche Vereine blieben vom arabischen Geldsegen bislang unberührt. Dies soll sich nun ändern. Ein bislang mysteriöser Investor aus Abu Dhabi soll den vor der Pleite stehenden Verein 1860 München retten. Nachdem die Süddeutsche Zeitung bislang spekulierte, bekam der unbekannte Geldgeber endlich einen Namen: Hasan Abdullah Ismaik. Auch wenn sein Vermögen zum größten Teil aus Abu Dhabi stammt, ist Ismaik Jordanier. 49 Prozent der Klubanteile will oder viel eher darf er laut der Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) kaufen.

14 Millionen Euro will Ismaik dafür hinblättern. Gestern stattete er München einen kurzen Besuch ab, nun lässt er den Verein durchleuchten, sämtliche Papiere werden übersetzt. Damit aber nicht genug: Er will kräftig weiter zahlen, um sich viele hübsche Spieler einzukaufen. Fraglich bleibt nur die Motivation des Käufers. Während Manchester City wenigstens beim Kauf in der ersten Liga spielte, macht 1860 München derzeit nicht einmal mehr in der zweiten Bundesliga eine anständige Figur. Zwar nennt sich der Klub stolz Traditionsverein, mit Können hat das zurzeit aber wenig zu tun. Es bleibt abzuwarten, ob die baldigen Millionen den Verein in die erste Liga spülen.



Das Finale von München ohne die Bayern? Eine Katastrophe

Als die ersten wagen Spekulationen aufkamen, machte sich die Vermutung breit, der geheimnisvolle Mäzen habe sich nur im Verein geirrt: Denn auch der Lokalrivale, der FC Bayern München, sorgt seit Wochen für Negativschlagzeilen: Der erfolgsverwöhnte Klub hat am vergangenen Samstag eine traurige Vorstellung gegen Borussia Mönchengladbach abgegeben, das Schlusslicht der Tabelle. Gefreut über den Sieg hat sich am Ende wohl keiner, Fans und Spieler waren lediglich erleichtert, endlich den ersehnten dritten Platz erklommen zu haben. Sollten die Bayern diesen begehrten Platz nicht verteidigen können, verfehlen sie die Teilnahme an der Königsklasse, ein unvorstellbares Desaster. Schließlich findet das Champions League-Finale im kommenden Jahr in München statt.

Von solchen Problemen kann der Lokalrivale 1860 München nur träumen. Zwar hat der Zweitligist am Wochenende gegen Aachen verloren, aber dies ist noch das kleinste Problem des TSV. Der Verein steht kurz vor der Insolvenz, kann seine Spieler nicht mehr bezahlen. Der ungeliebte Stadtrivale hat seine Hilfe angeboten. Und genau diese holde Geste des Präsidenten Uli Hoeneß lenkte am Samstag von dem schäbigen Kick des Rekordmeisters ab: In mühsamer Arbeit bastelten die Fans Spruchbänder und griffen Hoeneß an: »Wer den Blauen Millionen zuschiebt, hat unser Vertrauen nicht verdient.«

Der neue Mann auf dem Schimmel

Aber auch die Fans der anderen Seite sind von der Hilfe wenig begeistert. Lieber würden sie bis in die fünfte Liga absteigen als sich weiter vom FC Bayern helfen zu lassen. Und mitten in diese vorschulklassenreife Vorstellung kleiner beleidigter Jungs gesellt sich nun eben dieser neue Mann auf dem Schimmel.

Er hat sich auch in England umgeschaut, reist herum und sucht sich seinen Verein genauestens aus. Es erinnert stark an das Hobby einer Frau, die nach Paris oder New York zu einer Modenschau fährt, um sich die neuesten Designerfummel zu ersteigern. Der Mann von heute reist nach England oder nun auch Deutschland und sucht sich seinen Verein der Herzen.

Feuer fing der gute Mann vor drei Wochen in München, als die Welt des FC Bayern gerade unterging. Es war der Tag, an dem der FCB in der letzten Minute doch noch das Viertelfinale der Champions League verpasste. Aber die Dramatik schien Ismaik überzeugt zu haben. Schon jetzt spricht er von »wir« und »uns«, will am Samstag nach München fliegen und das Spektakel gegen Cottbus miterleben. Er hat Großes vor, die erste Liga, will den Machtkampf zwischen Man United und Man City nach München bringen, TSV gegen FC, rot gegen blau.

Alle Verträge liegen auf Eis

Das Geld des Golfarabers ist allen am liebsten: Uli Hoeneß ist es »wurscht«, von wem es kommt, Hauptsache es kommt. Und während die einen Fans den anderen nichts gönnen, wollen die anderen es nicht haben. Dass der Investor Einfluss im Vereinsgeschehen nehmen wird, ist allen Beteiligten nicht so wichtig. Sämtliche Verträge liegen auf Eis, neue Verhandlungen erfolgen erst nach der Übernahme und nur mit Abstimmung des Mannes am Joystick.

1860 hofft wohl einfach, dass er gemeinsam mit seinen Spielkameraden das raue Geschäft des Fußballs zu Hause geübt hat. Vielleicht schafft der Klub es mit etwas Geld und den richtigen Spielern schon bald in die erste Liga. Dann können sich die Fans wie kleine Jungs schon bald zu ihren Derbys treffen und sich von Angesicht zu Angesicht mit den selbst gebastelten Spruchbändern hänseln. So macht man das eben unter Männern.

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Dieser Text wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von zenith – der Zeitschrift für den Orient. www.zenithonline.de

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