16 Spiele, 174 Gegentore – Der erfolgloseste Klub der Saison

Die Negativrekordhalter

Der Berliner Verein Club Italia belegt in der Berlinliga abegschlagen den letzten Tabellenplatz. Die Mannschaft hat in 16 Spielen 174 Gegentore kassiert – und erhält dafür eine ganze Menge Respekt.

Irgendwann machte die Gegenwehr keinen Sinn mehr. Gerade war Safa Sentürk, Stürmer des Berlin-Ligisten BSV Hürtürkel wieder völlig frei mit Ball am Fuß vor Torwart Martin Weese aufgetaucht. Der als Aushilfe eingesprungene Schlussmann von Club Italia blieb einfach stehen, streckte nur halbherzig die Arme aus und ließ Sentürk das Tor erzielen. Sein sechzehntes in diesem Spiel.

Ein Torrekord fürden Hürtürkel-Angreifer, doch für die Gäste von Club Italia war das Endergebnis von 1:16 nichts Ungewohntes. Auch sie haben in dieser Saison Rekordverdächtiges zu Stande gebracht, wenn auch im negativen Sinne. Der finale Treffer von Sentürk war Gegentor Nummer 220. Vor allem die Rückrundenbilanz vor dem letzten Spieltag ist bemerkenswert: Kein einziger Punkt und 2:174 Tore.

Fair bis zum Schluss

»Die Leistung verdient trotzdem Respekt«, sagte Sentürk nach dem Spiel. »Die haben fair bis zum Ende weitergespielt, obwohl sie hoffnungslos unterlegen waren.«
Anerkennende Worte findet auch der Berlin-Liga-Vorsitzende. »Wir hatten ja öfter die Befürchtung, dass die nicht mehr antreten«, sagte Hans Schumann, »aber die haben die Saison ordentlich zu Ende gespielt, dazu auch noch äußerst fair. Davor ziehe ich meinen Hut.«

Nicht mehr antreten, das kam für Trainer Recayi Özgenc und seine Spieler nie infrage. Das war das Versprechen, dass er in der Winterpause gegeben hatte, als er vom Vorstand gebeten wurde, mit seiner Reservemannschaft aus der zehntklassigen Kreisliga B den Platz der ersten Mannschaft vier Ligen weiter oben einzunehmen. Die war nämlich nicht mehr vorhanden. Sie hatte sich nach der schwachen Hinrunde, Tabellenletzter mit sechs Punkten, gemeinsam mit dem Hauptsponsor verabschiedet. Als das Geld fehlte, suchten die Spieler das Weite.
Der Klub stand vor der Wahl, hinschmeißen und in der Kreisliga C wieder anfangen, oder irgendwie die Saison über die Bühne bringen, um die Chance auf einen Neuanfang in der Landesliga zu wahren. Özgenc willigte ein, in Rücksprache mit seiner Mannschaft, die als eingeschworene Truppe in der Kreisliga B eine ordentliche Hinrunde absolviert hatte. Am Anfang war man sogar euphorisch, einmal im Leben in der höchsten Liga Berlins zu spielen, »das ist doch was Besonderes«, sagte der Trainer.

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