Gott a.D.
»In Arsene we trust« hieß es früher in Highbury. In den vergangenen Jahren ist es für Arsenal-Fans allerdings zunehmend schwieriger geworden, hinter solchen Slogans zu stehen. Sieben Jahre liegt die letzte Trophäe der »Gunners« zurück. 2005 holten sie den FA Cup. Frühere »Arsene knows«-Plakate wurden in den vergangenen Monaten von »Du-weißt-nicht-was-du-tust«-Gesänge abgelöst. Das hinderte allerdings den Arsenal-Vorstand nicht daran, Wengers Vertrag im September 2012 nochmals zu verlängern.
Der zerplatzte Traum
Zehn aufeinanderfolgende Partien blieben die Gunners in der Champions-League-Saison 2005/2006 ohne Gegentor – Rekord in diesem Wettbewerb. Am 17. Mai 2006 standen sie im Finale gegen den FC Barcelona. Trotz einer Roten Karte gegen Arsenal-Keeper Jens Lehmann, sah es nach einem Sieg für Arsenal aus. Sol Campbell hatte sein Team in der 37. Minute mit einem Kopfball in Führung geschossen. Nur 840 Sekunden waren Wenger und Co. von einem feucht-schwitzigen Sieger-Händedruck mit Michel Platini entfernt. Sie schnupperten bereits königliche Luft, doch der Sauerstoff reichte nicht aus. Samuel Eto'o und Juliano Belletti zerstörten Arsène Wengers Traum.
Stolz und Liebe
Ähnlich nah an einem Champions-League-Sieg stand Arsène Wenger mit seinem damaligen Klub AS Monaco im April 1994. Damals musste sich die Mannschaft allerdings im Halbfinale gegen AC Mailand geschlagen geben. Trotzdem war das bis dahin der größte Erfolg für Wenger. Es schweißte ihn so stark an den Klub, dass er »aus Stolz und Liebe« zum Fürstentum später das Angebot zum französischen Nationaltrainer ablehnte.
Umweltunfreundlich
Arsène Wenger gilt als Sparfuchs was Spielereinkäufe angeht (und wird dafür von den Fans scharf kritisiert). Allerdings hat der Trainer kein Problem damit, einen Flug für seine Mannschaft zu buchen, bei dem sich sämtliche Umweltorganisationen die Hände über den Kopf zusammenschlagen würden. So flog die Mannschaft wenige Tage vor dem diesjährigen Champions-League-Spiel gegen den FC Schalke zu einem Auswärtsspiel zu Norwich City, um sich Reisestrapazen zu ersparen. Der Flug dauerte exakt 14 Minuten. Arsenal verlor 0:1. Die »Sunday Times« spottete danach, die Arsenal-Spieler hätten unter »Jetlag« gelitten.
Schöne Worte
Arsène Wenger hat gelernt, sich mit wenig zufrieden zu geben. So vergab sein Team am 6. November gegen Schalke 04 eine 2:0-Führung und musste sich mit einem Punkt zufrieden geben. Der Franzose war allerdings sehr hingerissen vom Fußball, den er zuvor genossen hatte. Er lobte die Entwicklung seiner Mannschaft und jubelte über den Fußball an sich. Und als ein Reporter das Wort »ausschlaggebend« benutzte, sagte Wenger: »Ausschlaggebend – was für ein schönes Wort«. Auch ein schönes Wort: Rüsselkäfer.
Not english enough
Not english enough
Mehrere Premier-League-Trainer kritisierten Wenger, zu wenig englische Feldspieler aufzustellen, vor allem in der Champions League. West Ham Uniteds Manager Alan Pardew behauptete etwa 2006, Arsenals Erfolge in der Königsklasse seien keine Erfolge für den britischen Fußball. Wenger antwortete schnippisch. Er meinte, dass Pardew am liebsten eine englische Flagge in die Champions League stecken wolle. Zugleich wies er ihn auf die Anti-Rassismus-Kampagne hin. Zum indirekten Rassimus-Vorwurf äußerte sich Radew wie folgt: »Ein Manager, der mit einer Schwedin verheiratet ist und Spieler aus der ganzen Welt angeheuert hat, kann man keinen Rassisten nennen.«
Der schlechte Verlierer
Am 6. März 2012 gelang Arsenal beinahe ein Champions-League-Wunder. Im Hinspiel des Achtelfinals hatte der AC Mailand 4:0 gewonnen. Tatsächlich gelang Arsenal im Rückspiel ein 3:0-Sieg. Die Abwehr der Milanesi patzte und patzte. In der 58. Minute vergab der Wenger-Liebling Robin van Persie das vierte Tor. Seine Frustration über den knapp verpassten Einzug ins Viertelfinale ließ Wenger an den Offiziellen aus. Gar nicht Gentleman-like verweigerte er dem vierten Offiziellen nach dem Schlusspfiff den obligatorischen Handschlag und griff Schiedsrichter Damir Skomina in der Kabine verbal an. Er beschuldigte den Slowenen, nur Freistösse für den AC Mailand gepfiffen zu haben. Für diesen Ausrutscher wurde er von der Uefa für drei Europapokal-Spiele gesperrt und zu einer Geldstrafe von 40.000 Euro verurteilt.
Platinische Liebe
Kein anderer als Michel Platinis Vater, Aldo Platini, beschaffte Arsène Wenger seine erste Anstellung als Headcoach: 1983 als Trainer von Nancy. Doch Wenger hatte keinen Erfolg, die Fans forderten seine Entlassung. Platini Senior verteidigte ihn allerdings. Er sagte, der Klub hätte nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung gehabt, um eine schlagkräftige Mannschaft zu formen.
Der Professor
Mit dem guten alten Spruch »Ich habe den Trainer nicht verstanden« können sich bei Arsène Wenger nur die wenigsten Spieler rausreden. Der Trainer spricht nämlich gleich sechs Sprachen fließend: Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch und Japanisch. Und dass man ihn für seine Spar-Prinzipien kritisiert, ist eigentlich auch eine kleine Unverschämtheit. Der gute Mann hat schließlich auch ein Wirtschaftsdiplom der Universität Strassburg.
Hochmut kommt vor dem Fall
Vor der Partie gegen Schalke äußerte sich Wenger kämpferisch zum Derby-Triumph der Gelsenkirchener gegen Dortmund: »Das ist ein großartiges Ergebnis, eine gute Leistung, aber wir sehen uns am Mittwoch«. Kurz vor dem Spiel klang er aber gar nicht mehr so vorlaut und antwortete auf die Frage, ob seine Truppe für den Titel gut genug sei, nur mit: »Momentan kann man das nicht behaupten.« Arsenal verlor 0:2.