17.08.2014

15 Geschichten aus der ersten Pokalrunde

Die erste Runde geht auf uns

Seite 2/3: Elfmeter, Schotter, Rekord-Rot
Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
imago

Der Rekordmann
2004: FC Schönberg 95 – 1. FC Kaiserslautern 0:15
Eisernes Gesetz der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals: Wo Carsten Jancker auflief, purzelten die Rekorde wie einst Andi Möller bei einer Schutzschwalbe. Zum Beispiel der torreichste Erstrundensieg: 16:1 mit dem FC Bayern gegen die DJK Waldberg. Oder der geringste Zuschauerzuspruch bei einem Erstrundenduell zwischen Amateuren und Profis: 1300 Besucher beim Match des 1. FC Kaiserslautern gegen den Oberligisten FC Schönberg 95. Die Zuschauer müssen seinerzeit geahnt haben, dass er für den Außenseiter gegen die Pfälzer nichts zu holen gab. Jancker hingegen erwischte gegen Schönberg einen weiteren Rekordtag und erzielte mit sechs Toren, die meisten Treffer, die je ein Spieler in einem Pokalspiel erzielen konnte.

Endlich Feierabend
1995: SV Sandhausen – VfB Stuttgart 15:14 i. E.
Herkömmliche Elfmeterschießen sind in der Regel nach allerhöchstens fünfzehn Schützen durch. Beim munteren Scheibenschießen im Sandhausener Hardtwaldstadion lümmelten beide Keeper allerdings wohl nur lustlos am Torpfosten, während auf der anderen Seite ausnahmslos alle Feldspieler mal an den Punkt durften. Am Ende traten sogar die Torhüter selbst zum Duell aus elf Metern an den Ball. Fehlschüsse: Fehlanzeige. Erst beim Stand von 15:14 hatte dann der schon zum zweiten Mal angetretene VfB-Recke Hendrik Herzog ein Einsehen mit den geduldigen Zuschauern, die schließlich seit über 120 Minuten ausharrten, und nagelte den Ball an den Pfosten. Ganz Sandhausen lag sich in den Armen. Endlich Feierabend.

Reichlich Schotter
1980: SG Lehmen-Kattenes – Kickers Offenbach 1:15
Es sollte das größte Sportereignis in der Geschichte der 1500-Seelen-Gemeinde Lehmen werden. Vor dem Duell mit Zweitligist Kickers Offenbach versuchte der Siebtligist von der Untermosel, die Profis mit allen Mitteln auf die heimische Sportanlage zu lotsen. Diese Anlage jedoch war ein handelsüblicher Schotterplatz, der DFB war entsprechend entsetzt und verfügte eine Verlegung in die benachbarte Gemeinde Plaidt. Die verfügte zwar nur über unwesentlich mehr Einwohner, besaß aber immerhin einen Rasenplatz, der den Ansprüchen der grauen Herren genügte. Mit dem ungewohnt weichen Untergrund kamen die Kicker der SG gar nicht zurecht, die Gäste aus Offenbach hingegen umso besser. Endstand: 1:15.

Kurz und knapp
2008: Rot-Weiss Essen – Borussia Dortmund 1:3
Im Grunde war das ungleiche Ruhrgebietsderby zwischen Erstligist Borussia Dortmund und Viertklässler Rot-Weiss Essen schon entschieden. In der 70. Minute hatte Nelson Valdez zum 3:1-Endstand eingeköpft, als BVB-Trainer Jürgen Klopp dem Jungtalent Bajram Sadrijaj zu seinem Profidebüt verhelfen wollte. »Geh richtig auf den Ball«, gab Klopp dem Jungspund mit, Sadrijaj jedoch verwechselte Ball mit Bein. Zwölf Sekunden nach der Einwechslung senste er Essens Daniel Bührer dermaßen brutal um, dass Essens Betreuer in einer Wolke aus Eisspray verschwanden und der Referee Sadrijaj gleich wieder vom Platz schmiss. Der Lohn des ungewöhnlichen Auftritts: Sein Blitzrot wurde im Guiness-Buch der Rekorde verewigt.

Da war was faul
2004: SC Paderborn – HSV 4:2
Bis zur 35. Minute lief der Pokalauftakt des Hamburger SV gegen den SC Paderborn voll nach Plan. Mit 2:0 führte der Bundesligist locker und lässig gegen den Außenseiter aus Ostwestfalen, als plötzlich alles aus den Fugen geriet. Der Schiedsrichter pfiff bizarre Elfmeter, bei Fouls der Gastgeber drückte er mehr als beide Augen zu, schmiss dafür aber den völlig perplexen HSV-Stürmer Emile Mpenza
wegen Meckerns vom Platz. Am Ende stand es 4:2 für Paderborn, und keiner der Anwesenden wusste so recht, wie das hatte geschehen können. Lediglich HSV-Coach Klaus Toppmöller ahnte etwas und krakeelte an der Seitenlinie lauthals: »Hier ist doch was faul.« Toppmöller wäre höchstwahrscheinlich noch ein wenig mehr in Rage geraten, hätte er geahnt, dass sich Referee Robert Hoyzer die falschen Pfiffe tatsächlich mit mehreren tausend Euro und einem großformatigen Plasmafernseher bezahlen ließ. Auf der Tribüne des Hermann-Löns-Stadions saß Wettpate Ante S. (Name ist der Redaktion bekannt) und beäugte das Meisterwerk des Fast-Unparteiischen aus nächster Nähe.

 
 
 
 
 
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