15 Geschichten aus der ersten Pokalrunde

Die erste Runde geht auf uns

Geiselnahmen, Murmeltiere, Teerezepte: Nirgends finden sich schönere Geschichten als in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde. Zum Start in die neue Pokalsaison kommen deswegen hier die 15 schönsten Geschichten

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Heft#117 08/2011
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15 Minuten Ruhm

1990: FV 09 Weinheim – FC Bayern München 1:0
Hätte sich Thomas Schwechheimer eigentlich denken können, dass nach seinem 1:0-Siegtreffer für den FV 09 Weinheim gegen den übermächtigen FC Bayern die eine oder andere Anfrage aus den Medien an ihn herangetragen würde. Doch als er unmittelbar nach Abpfiff der Pokalsensation erfuhr, dass ihn sogar das »Aktuelle Sportstudio« nur allzu gerne am späten Abend einfühlsam 
befragen wollen würde, kommentierte Schwechheimer seine potentiellen 15 Minuten Ruhm trocken: »Die können mich mal. Ich geh heute mit meinen Kumpels einen trinken.« Ein Satz mit X, denn ein donnerndes Machtwort von Weinheim-Trainer Lothar Strehlau überzeugte Schwechheimer schlussendlich doch vom Ausflug auf den Mainzer Lerchenberg. In Shorts und T-Shirts trat der kurzzeitig 
berühmteste Feinblechner der Republik vor die ZDF-
Kameras, zielte standesgemäß auf die Torwand und gab sich plötzlich durchweg kreuzbrav. Zum Abschluss 
sendete Weinheims Held gar beste Grüße »an meine 
liebe Frau daheim.« Sweet!

Bei Sieg: Kabine

2009: Eintracht Trier – Hannover 96 3:1

»Bei Sieg, Kabine«, lautete die berühmte Pokalreporter-Kausalkette von Rolf Töpperwien, der wie kein Zweiter daran glaubt, dass er höchstselbst für einen Großteil aller Pokalsensationen verantwortlich gewesen ist. Wahrlich Aufklärerisches gelang Töppi allerdings beim Spiel zwischen Außenseiter Eintracht Trier und Bundesligist Hannover 96. Trotz eines 0:1-Rückstandes gewährte Trier-Coach Mario Basler dem Nahkampf-Veteranen Töpperwien tatsächlich schon in der Halbzeitpause Zutritt zur Heimkabine. Doch wer nun eine krachende Halbzeitansprache von Super-Mario erwartet hatte, wurde jäh enttäuscht. Ein offensichtlich nachhaltig beeindruckter Tonmann verpennte die Aufnahme komplett, so dass allen Nicht-Lippenlesern unter den erwartungsfrohen Fernsehzuschauern lediglich ein Stummfilmlangweiler aus beschlagenen Bildern 
präsentiert werden konnte. Da half es auch keinem, dass 
Töpperwien später hoch und heilig versicherte, es sei in der Kabine doch »ziemlich laut« geworden. Am Ende gewann Trier sogar mit 3:1 – trotz Töpperwiens Anwesenheit.

Geiseldrama

1991: MSV Duisburg – 1. FC Kaiserslautern 0:2
Es staunten die Ordner im Wedaustadion nicht schlecht, als mit dem Halbzeitpfiff der Erstrundenpartie zwischen dem MSV und dem FCK plötzlich eine Braut, natürlich ganz in Weiß, den Rasen betrat. Nur wo war der Bräutigam? Richtig gute Freunde hatten die Braut nach alter 
Tradition von der eigenen Vermählung entführt und ihre Geisel ins Stadion verschleppt. »Können sie meinem Detlev sagen, dass ich hier bin?«, bat die indignierte Gattin einen verdutzten Ordner. Der konnte sich den Weg sparen, nur Minuten später tauchte Detlev im Stadion auf. Der düpierte Gatte erlöste seine Frau unter dem Gegröle tausender Fans und betrachtete anschließend noch die 0:2-Niederlage 
des MSV. Beinahe der schönste Tag seines Lebens.

Murmeltiertag

2007: Rot-Weiss Essen – Energie Cottbus 6:5 i. E.
Zumindest ein bisschen müssen sie sich vorgekommen sein wie Bill Murray im Spielfilmklassiker »Und täglich grüßt das Murmeltier«. Zwischen den Jahren 2005 und 2007 losten nämlich gleich mehrere, offenbar derangierte 
Glücksfeen Rot-Weiss Essen und Energie Cottbus stolze drei Mal nacheinander zum gemeinsamen Pokalauftakt zusammen. Ein Hattrick der etwas anderen Art, der bei den Verantwortlichen auch nicht so richtige Freude aufkommen ließ. Statt entrückter Jubelposen sah man die Vereinsoberen fortan wahlweise mit gelangweiltem Gähnen, ungläubigem Kopfschütteln oder überschnappendem Gelächter auf das immergleiche Los starren, wenn es wieder einmal hieß: 1. Runde – RWE gegen Energie.

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