14 Dinge über Belgien

Zärtliche Chaoten

Wenn heute Abend Deutschland gegen Belgien spielt, ist uns das beliebte Nachbarland fußballerisch noch ein großes Fragezeichen. Das soll sich ändern: 14 Dinge über Belgien. Von A wie Bosman bis Z wie Kostedde. 14 Dinge über Belgien

1.
Beginnen wir mir nackten Zahlen: Der Königlich Belgische Fußballbund wurde am 9. August 1895 gegründet, trat am 21. Mai 1904 der FIFA bei, 1954 der UEFA. Unser Nachbarland hat 462.603 Fußballer (darunter 386 Profis), die in 2002 Vereinen mit insgesamt 16.780 Mannschaften spielen.

[ad]

2.
Die geistige Wiege des belgischen Fußballs steht in Melle, nahe Genk. Am hiesigen Jozefieten Collegen studierten im 19. Jahrhundert mehrere Ausländer, darunter der Ire Cyril Bernard Morrogh, der 1863 mit einem Rugby-Ball unter dem Arm in Belgien auftauchte – der Ursprung belgischen Ballsports.

3.

1880 gegründet, ist der Antwerp Cricket, Football and Lawn Tennis Club der älteste Fußball-Verein des Landes. Allerdings: Erst 1895, als der Klub mit dem Cercle d´Agrément verschmolz, konzentrierte man sich beim heute »the Great Old« genannten Verein ausschließlich auf den Fußball.

4.
Anfang der 30er-Jahre kam es beinahe zum ganz großen Knall im nationalen Fußball. Schuld daran: Der Fußballverband, der als elitär geführte Institution auf französische Sprache im Fußball-Kosmos beharrte. Was wiederum die Flamen auf die Barrikaden brachte, im Februar 1930 traten auf einen Schlag 89 Vereine aus dem nationalen Verband aus und gründeten den Vlaamsche Voetbalbond (VV). Die Eskalation endete erst nach dem 2. Weltkrieg: Weil der VV öffentlich mit den Nazis kollaboriert hatte, wurde der flämische Verband verboten.

5.
Raymond Braine war Belgiens erster Fußball-Hero. Zwischen 1920 und 1930 holte er mit Germinal Beerschot vier Landesmeisterschaften, wechselte später zu Sparta Prag, kehrte 1937 zurück nach Belgien und holte noch zwei weitere Meisterschaften. Braine, 2003 bei der Wahl zu »Belgiens Fußballer des Jahrhunderts« auf Platz 2, sammelte Tore, wie andere Briefmarken. Seine stolze Quote: 322 Ligaspiele, 370 Treffer.

6.
Erwin Kostedde, der 1968 als einer der ersten deutschen Stars Richtung Belgien wechselte, erinnerte sich einst im 11FREUNDE-Interview an den kuriosen Anwerbungsversuch aus Lüttich: »Ich sollte zur Alemannia nach Aachen. Ich hatte schon ein Training am Tivoli gehabt und ging abends durch die Stadt spazieren. Plötzlich hielt ein Mercedes neben mir und vier Jugoslawen sprangen heraus. »Bist Du Erwin Kostedde?« – »Ja!« – »Du kannst bei Standard Lüttich spielen.« Ich winkte ab, da ich ja bei der Alemannia schon unterschrieben hatte. Aber die weiter: »Alles Quatsch! Was verdienst Du denn hier? In Lüttich kriegst Du 80.000 Mark pro Jahr!« Ich sagte nur: »Wie bitte?!«

7.
Von 1969 bis 1972 spielte auch Dortmunds Lothar Emmerich in Belgien. Als Torjäger bei Germinal Beerschot äußerst erfolgreich, wussten sich die Fans eines Ligagegners nur mit speziellen Methoden zu helfen: Sie entführten »Emma« kurzerhand vor einem wichtigen Spiel. Nach kurzer Leidenszeit wurde der ehemalige Nationalspieler wieder frei gelassen.



8.
Als am 2. August 1990 der belgische Fußballprofi Jean-Marc Bosman im Büro des Rechtsanwalts Luc Misson auftaucht, beginnt ein Prozess, der 1995 im berühmten »Bosman-Urteil« endet. Fortan dürfen Spieler nach Ende ihres Vertrages ablösefrei den Verein wechseln, der internationale Transfermarkt ist revolutioniert. Bosmans Anwalt erinnerte sich jüngst im Interview mit den Kollegen vom »ballesterer«: »Er (Bosman) ist zufrieden mit dem, was wir damals geschafft haben. Aber er ist auch sehr enttäuscht, dass sich insgesamt nicht besonders viel geändert hat. Man könnte sagen: Der ultraliberale Fußball geht weiter.«

9.
Die Initialen des belgischen Klubs THOR Waterschei haben eine nette Vorgeschichte. Weil THOR eigentlich »Tot Herstel Onzer Rechten« (»Zur Herstellung unserer Rechte«) bedeutet, der Nationalverband diese Abkürzung allerdings nicht billigte, nennt sich der Klub seither »Tot Heil Onzer Ribbenkast« – »Zum Vorteil dessen, was zwischen unseren Rippen ist.«

10.
Der Belgier Roger van Gool war 1976 der erste Profi, für den ein Bundesligaverein eine Millionen DM zahlte. Karl-Heinz Thielen, Manager vom 1. FC Köln, hatte nach eigener Aussage schlaflose Nächte, als er vor Ort von der ungeheuren Forderung vom FC Brügge erfuhr. Weil Trainer Hennes Weisweiler van Gool unbedingt haben wollte, machte Thielen den Deal fix. Van Gool zahlte es bald zurück, mit Toren und guter Laune: »Weisweiler mochte die Typen nicht, die stumm in der Ecke sitzen. Deshalb kam ich gut mit ihm klar.«

11.
Im Brüsseler »Heysel-Stadion« starben am 29. Mai 1985 39 Menschen bei einer Massenpanik kurz vor dem Anpfiff des Europapokalendspiels zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool. Jahrelang stand die Spielstätte anschließend leer und wurde schließlich zum König-Baudouin-Stadion umgebaut. An die Heysel-Katastrophe erinnert eine sechzig Quadratmeter große Sonnenuhr, die die Namen der 39 Toten einschließt.

12.
Jean-Marie Pfaff, einst Welttorhüter in Diensten des FC Bayern, ist seit 2003 gefeierter Soap-Star im belgischen Fernsehen. »De Pfaffs«, eine Serie über die Großfamilie Pfaff, läuft seither sehr erfolgreich einmal in der Woche als 40-Minuten-Sendung auf dem TV-Sender VTM. Erfahrungen vor der Kamera hatte Pfaff schon 1987 sammeln können. Im deutschen Film »Zärtliche Chaoten« taucht der Torwart neben solchen Granaten wie Thomas Gottschalk, Michael Winslow, Helmut Fischer und Pierre Brice auf.

13.
Dumm gelaufen: Als sich Anfang 2009 die Nationalmannschaften Belgien und Slowenien zu den Hymnen aufstellten, da plärrte aus den Lautsprechern das musikalische Nationalgut der Slowakei. Erst als die korrekte Hymne in der Halbzeitpause wiederholt wurde, beruhigte sich die aufgebrachte slowenische Fraktion.

14.
Joachim Löw sollte sich hüten am Freitag allzu heftige Wortgefechte mit Belgiens Nationalcoach Georges Leeskens zu provozieren. Der 61-jährige stieg in seiner Zeit als aktiver Spieler so derbe in die Zweikämpfe, dass ihm Gegenspieler und Journalisten bald einen netten Beinamen verpassten: »Mac the knife«.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!