11mm-Filmfestival: »We are the Champions«

Das wahre Sommermärchen

»We are the Champions« ist das Videotagebuch der WM-Helden von 1990. Gefilmt von Kamerakind Sepp Maier. Hier erinnert sich der damalige Torwarttrainer an die schönsten Szenen. Beim 11mm-Festival: Sepp Maiers WM-Film 1990

»Bei der WM 1990 war ich mein eigener Herr. Ich betreute meine drei Torhüter. Das hieß, zweimal Training am Tag, drei Stunden Arbeit. Da blieb genug Zeit, das ganze Spektakel zu genießen. Als Spieler war ich Egoist, hab nur an mich gedacht, bekam vom Drumherum einer WM nur wenig mit. Als Trainer konnte ich alles genau beobachten, wie die Spieler die Ereignisse verarbeiten, was sie empfinden.



Weil es von unserem Titelgewinn 1974 kein privates Filmmaterial gibt, hatte ich 1990 den Plan, einen Film für die Mannschaft zu drehen. Einfach mal draufhalten. Nach dem Turnier habe ich über Franz Kontakt zu einem Schnittstudio bekommen. Dort haben wir die besten Szenen in vier Nächten geschnitten und den Film unter dem Titel ›We are the Champions‹ bei der Weihnachtsfeier mit dem WM-Team vorgeführt. Das DFB-Protokoll für die Feier sah zwar vor, dass das Video auf keinen Fall länger als zwanzig Minuten sein dürfe, als dann aber doch erst nach einer Stunde Schluss war, forderten die Spieler Zugabe.«

»Das ist das wahre Sommermärchen. So weit wie ich ist der Sönke Wortmann nie gekommen. Wie auch? Bei ihm wussten die Spieler, dass jedes Bild am Ende vielleicht den Weg ins Kino finden würde. Wer ist da nicht ein wenig gehemmt? Aber bei mir: Lothar zweckentfremdete gleich mal den Weltpokal (siehe Aufmacherseite, d. Red.). Naja, so ist er halt – und so wird er auch immer bleiben. Als wir mit dem Cup in die Kabine kamen, habe ich die Kamera kaum noch abgesetzt. Auf einmal schwenkte ich nach links – und wer lächelt da in meine Kamera: Helmut Kohl. Damals war er noch schlank. Die Stimmung war aber schon so ausgelassen, dass es keiner mehr richtig mitbekam.

Apropos Politiker: Als wir die Nacht nach dem Finale durchgemacht hatten, hieß es morgens um acht Uhr, wir sollten auf dem Weg zum Flughafen noch einen Abstecher zur deutschen Botschaft machen. Es war brütend heiß, alle waren total groggy, da wollte keiner mehr hin. Dann standen wir im Garten der Botschaft und eine Frau sagte zu mir, wir möchten uns bitte in ein Zelt im Garten begeben, der Botschafter wolle zu uns sprechen. Da habe ich gesagt: ›Wissen S’ was, der Botschafter kann uns gern haben.‹ Der hatte wochenlang Zeit, ins Quartier zu kommen. Das Problem war nur: Die Dame war die Frau des Botschafters. Also haben wir uns das auch noch angetan.«

Party-Duscher Pierre Littbarski

»Der Litti war für jede Gaudi zu haben. Wenn ich den filmte, fiel ihm immer was ein. Dem brauchtest du nur sagen: ›Litti, mach mal Faxen.‹ Und los ging’s. Übrigens:  Er war im Team auch so was wie der Technikexperte. Wenn Franz seine Mannschaftsbesprechungen machte, legte er die Videos ein und spulte vor und zurück. Bei der Sitzung vor dem Achtelfinale gegen Holland sagte Franz: ›Litti, fahr mal das Band ab.‹ Er drückte also auf den Startknopf, hatte vorher aber nicht die Kassette mit dem Spiel eingelegt, sondern so ein Sexfilmchen. Riesenlacher bei den Spielern. Und Litti: ›Oh, sorry, da hab ich wohl die falsche Kassette …‹

Die Idee, sich unter der Dusche im Trikot einzuseifen, kam auch von ihm. Er sang ›We are the Champions‹, seifte sein Trikot ein, und Icke Hässler stand nackert daneben. Litti, der Hund, hat bei der WM auch selbst dauernd Fotos gemacht. ›Nur für mein Erinnerungsalbum‹, hat er gesagt. Und nach dem Turnier kam dann ein Sonderheft von der ›Bunten‹ raus – mit all seinen Bildern. Das hat richtig Stunk mit Mannschaft und DFB gegeben. Er musste sich kleinlaut entschuldigen und die 20 000 Mark Honorar für einen guten Zweck spenden.«

WM-Bankett-Salsa mit Lothar

»Das WM-Bankett begann nach Mitternacht im Garten des Hotels. Es war wie ein großes Familienfest, gar nicht förmlich. Die Spieler rauchten ihre Siegerzigarren –
einige hatten arge Probleme damit und pafften wie die Pennäler. Dann sprachen Franz und Delegationsleiter Egidius Braun ein paar Worte. Im Film sieht man, dass einigen das Gerede schon ziemlich auf die Nerven geht: Berti verdreht die Augen, als Egidius Braun ihn für seine Verdienste um das Team lobt. Als dann die Party losging, gab es kein Halten mehr.

Ich habe zwischendurch sogar die Kamera aus der Hand gelegt, um ein Tänzchen mit Lothar aufzuführen. Wir feierten bis zum Sonnenaufgang. Lothar war in Italien natürlich super drauf, aber es gab auch skurrile Szenen mit ihm. Er hing ständig am Telefon. Wir hatten im Mannschaftsbus so ein frühes Funktelefon. Und wer war auf den Fahrten dauernd vorn beim Fahrer? Lothar! Er stand da, brüllte jemand am anderen Ende der Leitung an, und der ganze Bus hörte zu und lachte sich kaputt.«

»We are the Champions« läuft am 14. März 2013 um 22.00 Uhr auf dem 11mm-Fußballfilmfestival. Karten und weitere Infos auf: 11-mm.de

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!