11FREUNDE unterwegs: BVB-Fans erzählen ihre kuriose Athen-Reise

Drei Tage am Flughafen

Klaus Torgau und seine beiden Freunde wollten eigentlich nur zum BVB-Spiel nach Athen. Doch dann hingen sie einen halben Tag am Hamburger Flughafen, liefen mit Atlanten umher und fanden sich im Auto eines ungewöhnlichen Taxifahrers wieder. 11FREUNDE unterwegs: BVB-Fans erzählen ihre kuriose Athen-Reise

Am 26. August bescherte uns die Losfee die Gegner Arsenal, Marseille und Olympiakos. Wenige Tage später waren Hotel und Flüge zu den Spielen gebucht, natürlich auch nach Griechenland. Irgendwann im September machte schon das Gerücht die Runde, dass am 19. Oktober, unserem Spieltag in Piräus, gestreikt wird. Also hieß es dann schon Tage vor dem endgültigen Abflug nach Alternativen zu suchen und auf alles gefasst zu sein.

Natürlich kam es wie befürchtet, am 19. und 20. Oktober wurde ein Fluglotsenstreik ausgerufen, unser Flieger sollte am 19. in Athen um 00:10 Uhr landen, eine heikle Kiste. Ständiger Kontakt mit unserer Fluggesellschaft wurde hergestellt, doch selbst am 18. Oktober um die Mittagszeit konnte man uns noch keine weiteren Informationen geben.

14.00 Uhr: Der Flug ist ersatzlos gestrichen

Da wir bereits mit einigen Komplikationen gerechnet haben, traf sich unsere dreiköpfige Flugbesatzung schon um 11 Uhr am Hamburger Flughafen, der Abflug war erst für 16:30 geplant, um evtl. umbuchen zu können. Nachdem wir die Sicherheitsschleusen passiert hatten, verbrachten wir noch einige Zeit im Sicherheitsbereich, bis wir um ca. 14 Uhr feststellten, dass unser Connecting Flight von Zürich nach Athen ersatzlos gestrichen wurde. Wir waren also gezwungen, den Bereich wieder zu verlassen, um den Schalter zu erreichen, an dem uns Frau Rohleder bestens mit Informationen bediente. Sie teilte uns mit, dass sie uns umbuchen könne und fragte, wohin wir denn fliegen möchten.

Um uns ein besseres Bild von Zielorten machen zu können, gab sie uns zwei Atlanten mit auf dem Weg. Schnell waren Reiseziele erfasst. Bari, Tirana, Sofia sprangen uns sofort ins Auge, doch nahezu alles war aussichtslos. Die Fähre ab Bari, so erfuhren wir hinterher, fuhr nicht mehr aufgrund des Streiks, Sofia hätte zeitlich nicht gepasst, zudem gab es große Verspätungen an den Grenzübergängen und in Tirana wollte uns die Fluggesellschaft aus Sicherheitsgründen nicht um 23 Uhr landen lassen, da wir dort an einem leeren Flughafen gestrandet wären. Weitere Flüge direkt nach Athen über Frankfurt bzw. München waren schon gestrichen bzw. überfüllt.

Alternative: Autofahrt über 2600 Kilometer

Uns blieb nur noch eine Alternative, die 2600 km mussten wir also mit dem Auto fahren, laut Routenplaner hätte man es zeitlich wohl auch geschafft. Also runter zum Mietwagenschalter, Nachfrage nach einem Auto für eine Tour über den Balkan nach Griechenland, Mietbeginn sofort. Wie erwartet machte die Dame am Schalter große Augen, schlug uns aber einen Wagen für drei Tage inklusive aller Kilometer für 300 vor. So weit, so gut, machen wir, brauchen wir nur noch einen Mitfahrer. Da uns klar war, dass wir die Nacht vor und nach dem Spiel durchfahren müssen, stand sofort fest, dass wir noch einen vierten Mitfahrer brauchten. In der Vorsaison sind wir bereits nach Paris und Lviv (rund 1500 km eine Strecke) zwei Nächte mit drei Fahrern durchgefahren, für die längere Strecke nach Athen brauchten wir also mindestens eine Person mehr.

Zum Glück hatten wir vorher vier weitere BVB-Fans getroffen, die mit uns fliegen wollten, aber nun auch in Hamburg festsaßen. Wir fragten sie, ob einer von denen denn mitfahren würde. Das Interesse bestand, doch leider hatte von denen keiner einen Reisepass dabei. International erfahren wie wir sind, hatten wir eine Autofahrt schon von Beginn an im Hinterkopf gehabt, unsere Reisepässe für die Nicht-EU-Länder also mitgenommen. Mittlerweile war es dann auch schon nach 15 Uhr, die Chance, irgendwie nach Athen zu kommen, schwand mit jeder Sekunde.

1.00 Uhr: Eine neue Buchung mitten in der Nacht

Somit gingen wir niedergeschlagen nach Hause, im Wissen, das Spiel nur im TV verfolgen zu können. Als ich abends um 21.30 Uhr nach dem Fußballtraining auf mein Handy schaute, ging bereits das Gerücht um, das der Fluglotsenstreik auf 12 Stunden (von ursprünglich 48 Stunden) wurde. Noch später am Abend stellte die erste Airline wieder Flüge nach Athen ins Internet. Sofort wurde natürlich geschaut, von wo die nach Athen fliegen. Berlin-Schönefeld wurde als Abflugsort dann ausfindig gemacht, Ankunft Athen war um 15:35 Uhr geplant, gerade noch rechtzeitig, um zum Treffpunkt der BVB-Fans zu kommen.

Mitten in der Nacht noch schnell drei Freunde zum Buchen überredet, um ein Uhr wurde letztendlich gebucht. Für mich hieß es dann schon sechs Stunden später Abfahrt per ICE nach Berlin, um den Flug um 11:30 zu erreichen. Fahrt und Flug klappten reibungslos, das Flugzeug war nahezu komplett leer, 30 Fluggäste nur, davon 20 Dortmunder. Als wir in Athen am Flughafen ankamen, stellte sich dann die nächste Frage: Wie kommt man in die Innenstadt?

Eine ungewöhnliche Taxifahrt

Die Züge hielten mitten auf der Strecke an, Busse und Taxen fuhren auch nicht. Doch vorm Flughafen standen gewiefte griechische Privatpersonen, die Taxifahrer spielten und uns eine Fahrt in die Stadt für 70 Euro anboten, mehr als doppelt so hoch wie der Standardpreis. Gut, man nimmt, was da ist, also los. Mit fünf Mann saßen wir dann in einem Taxi mit polnischem Nummernschild – mit 180 km/h auf der Autobahn (erlaubt 80), Zigarette im Mund und am Handy spielend raste unser Fahrer in die Stadt, hielt auf einmal auf dem rechten Fahrstreifen an und teilte uns mit, dass rechts die Akropolis in der Ferne steht. Es sollte der letzte Blick für heute auf die Sehenswürdigkeit sein. Eine Stunde vor Abfahrt der Fanbusse trafen wir am Sygrou Fix ein, von da aus ging die Reise ins Stadion und zurück zum Flughafen ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Schlafen im Museumsraum

Nachts um halb zwei nach dem Spiel waren wir also wieder am Flughafen, der Abflug ging erst um 16:30 Uhr. Noch ein paar Gänge auf und ab, dann in einem offenen Museumsraum mit insgesamt zwanzig Leuten auf den Boden zum Schlafen gelegt. Mitten in der Nacht um 4 Uhr vom Flughafenpersonal geweckt worden, dann doch bis 8 Uhr weitergeschlafen. Nach weiteren Stunden des Zeittotschlagens dann endlich der Abflug, ab Berlin wieder weiter mit dem ICE, Ankunft in den eigenen vier Wänden um kurz vor 22 Uhr am Donnerstag. 59 Stunden nach unserem ersten Treffen.

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