11FREUNDE-Taktikanalyse: Schalke - M´Gladbach

Rangnick 1, Favre 0

Glaubt man Ralf Rangnick, dann war das Spiel der Schalker gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) »das beste Spiel gegen den Ball in dieser Saison«. Was das nur bedeuten mag? Unser Taktikexperte Tobias Escher hat die Partie für euch auseinander genommen. 11FREUNDE-Taktikanalyse: Schalke - M´Gladbach

Favres Gladbacher sind berüchtigt für ihre tadellose Abwehr. Auch gegen Schalke hielten sie diszipliniert ihr 4-4-2 System. In zwei Viererketten reihten sie sich vor dem eigenen Tor auf, immer darauf bedacht, möglichst wenig Platz zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld entstehen zu lassen. Im Schließen der Räume sind die Gladbacher Experten, und so schafften sie es auch gegen Schalke, kaum Lücken entstehen zu lassen. Geschickt unterbanden sie in Halbzeit eins das Schalker Flügelspiel, indem Nordtveit und Neustädter aus dem Zentrum den Außenverteidiger halfen, mit Draxler und Farfan fertig zu werden.

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Schalke hatte offensiv ihre liebe Müh‘ mit der disziplinierten Grundordnung des Gegners. Das Spiel unter Ralf Rangnick war in der bisherigen Saison sehr auf die Flügel ausgerichtet. Zu Beginn der ersten Hälfte zündete dieses noch nicht richtig, was aber Rangnick nicht weiter gestört haben dürfte. Auch er hatte die Devise ausgegeben, defensiv sicher zu stehen, und so blieben die Außenverteidiger im Zweifelsfall lieber in der eigenen Hälfte. Ebenso wie sein Gegenüber wies er seine Spieler an, zwischen Abwehr und Mittelfeld keine zu großen Abstände aufkommen zu lassen, in die der Mal-Wieder-Neu-Nationalspieler Reus hätte stoßen können.

Sie sind zurück: Malochende Schalker

In der Rückwärtsbewegung machten die Königsblauen größtenteils das, was das Klischee von einer Reviermannschaft erwartet: Sie arbeiteten. Um Gladbachs schnelle Konter mit direkten Pässen zu verhindern (neudeutsch »One-Touch-Fußball«), mussten die Angreifer und Mittelfeldspieler den gegnerischen Spielaufbau schon im Ansatz zerstören. Im Mittelfeld waren die Schalker daher immer direkt am Gegner dran. 55% der Zweikämpfe gewann die auf Pressing im Mittelfeld ausgelegte Mannschaft – ein sehr guter Wert. Auch Raul und Huntelaar arbeiteten viel gegen den Ball. Letzterer lief mit knapp zwölf Kilometer mehr als alle anderen Akteure auf dem Platz – eine ungewöhnliche Statistik für einen Stürmer, was aber beweist, wie ernst er seine Defensivaufgaben nahm.

Beide Teams konnten durch engagierte Defensivleistung ihre Angriffsreihen neutralisieren, Chancen waren auf beiden Seiten rar. In solch eng umkämpftem Spielen sind es meist die Standardsituationen, die den Unterschied machen. Die Gastgeber wirkten nach ruhenden Bällen souveräner, und so waren sie es auch, die in der Folgezeit die größten Chancen hatten. Zweimal mussten die »Fohlen« nach Eckbällen auf der Linie retten (11., 37.), ehe Raul eine schöne Freistoßvariante mit doppelter Kopfballablage im Tor versenken konnte (64.).

Favre mit eigenen Waffen geschlagen

Die Borussia fand gegen weiterhin bewegliche und aggressive Schalker nicht mehr zurück ins Spiel. Die Gelsenkirchener waren trotz des Europa-League-Spiels unter der Woche viel unterwegs, am Ende hatten sie mit knapp 116 gelaufenen Kilometern einen Topwert (Gladbach 112). Nach Abpfiff lobte Rangnick seine Mannschaft für das »das beste Spiel gegen den Ball in dieser Saison«. Sie hatten die »Fohlen« in Favres ureigener Kernkompetenz geschlagen.

 

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Ballbesitzstatistiken, Spielfeldmatrixen und taktische Formationswechsel - für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Leidenschaft. Zusammen mit seinen Kollegen analysiert er die Taktik der Bundesligisten auf dem Blog Spielverlagerung.de.

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