110 Kerzen, 10 Geschichten

110 Jahre CA River Plate

Feliz Cumpleaños, CA River Plate! Heute vor 110 Jahren wurde in Buenos Aires der legendäre Klub mit dem roten Diagonalstreifen auf der Brust gegründet. Wir sagen: Alles Gute – und präsentieren zehn Geschichten aus 110 Jahren Vereinsgeschichte! 110 Kerzen, 10 Geschichten

1.
River Plate wäre kein anständiger Fußballverein, wenn sich nicht zumindest eine Legende um seine Gründung ranken würde. Die schönste unter vielen: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sollen sich im Hafengebiet von Riachuelo in Buenos Aires die Mannschaften von Santa Rosa und Los Rosales so lange ernüchternde Duelle mit Mannschaften aus anderen Teilen der Stadt geliefert haben, bis sich die Bosse beider Vereine am 25. Mai 1901 zu einer Krisensitzung verabredeten. Ein Herr namens Pedro Martínez soll – immer noch der Legende nach – gesagt haben: »Nennen wir uns doch River Plate!« Seeleute luden an diesem Tag in Sichtweite des Treffpunkt fleißig Kisten mit der Aufschrift »River Plate« aus.

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2.
Selbstredend, dass in einem Land, dass jeden noch so unbedeutenden Fußballer mit einem Spitznamen bedenkt, auch CA River Plate im Laufe der Jahre Kosenamen anhäufte. Die Gegner nennen den Traditionsklub gerne »Gallinas«, Hühnchen. Der tierische Beiname ist die Folge eines Duells gegen CA Penarol aus Uruguay. River Plate führte mit 2:0 – und verlor trotzdem noch mit 2:4. Weniger einfallslos ist dagegen »El equipe de la banda roja«, was übersetzt bedeutet: Das Team mit dem roten Band, und natürlich auf das ewig rot gestreifte River anspielt. Relativ stumpf, aber dann doch auch sympathisch ist »La Banda« – Die Truppe.

3.
Die legendärste Mannschaft, quasi der Schalker Kreisel von River Plate, ist die »La Maquina«, die Maschine, genannte Auswahl, die zwischen 1941 und 1945 viermal nationaler Meister wurde und dabei mehr als 700 Tore erzielt haben soll. Klingt eher nach Kreisliga C, ist aber argentinische Realität. Beste Spieler unter Trainer Carlos Peucelle: Juan Carlos Munoz, José Manuel Moreno und Félix Loustau.

4.
Apropos bekannte Spieler – eine kleine Auswahl der prominentesten Fußballer, die je den roten Querstreifen auf der Brust trugen: Alfredo di Stefano, Néstor Rossi, Luis Cubilla, Daniel Passarella, Omar Sivori, Mario Kempes, Gabriel Batistuta, Oscar Ruggeri, Nery Pumpido, René Houseman, Claudio Caniggia, Sergio Giycochea, Sergio Berti, Roberto Ayala, Ariel Ortega, Hernan Crespo, Julio Cruz, Juan Pablo Sorin, Javier Saviola, Marcelo Salas, Pablo Aimar, Andrés d'Alessandro, Martin Demichelis, Javier Mascherano, Diego Placente.

5.
Der bekannteste in dieser Reihe war und bleibt zweifelsohne Enzo Francescoli. Für River Plate symbolisiert der Star aus den 80ern das, was dem Erzrivalen Boca Juniors Diego Maradona ist. Ein eleganter Spielmacher, gesegnet mit brillanter Technik, feinem Auge, schnellem Antritt und starkem Abschluss. Francescoli wechselte als 21-Jähriger nach Buenos Aires und der spätere Kultstatus war da, gelinde gesagt, noch nicht unbedingt abzusehen. Als Uruguayer hatte die neue Nummer 9 anfangs einen schweren Stand, setzte sich allein mit viel Trotz durch. Irgendwann lockte Europa, Enzo ging – nur um 1994 sein Versprechen bei den Fans einzulösen und im Karriereherbst zurückzukehren. Francescoli mied den Vergleich mit Maradona nach Möglichkeit, hatte mit »El D10s« aber eines gemein: Auch er gelobte, nie das Trikot des Stadtrivalen zu tragen.

6.

So viel Treue und Vereinsloyalität ist natürlich nicht jedem beschieden. Cataldo Spitale wechselte 1933 als erster Spieler die Seiten innerhalb der Hauptstadt, etliche machten es ihm nach und gingen den verbotenen Weg zwischen River und Boca, unter ihnen: Gabriel Batistuta, Claudio Caniggia und Oscar Ruggeri. Ruggeri formulierte die Komplikationen, die der vermeintliche Verrat mit sich brachte, wie folgt: »Die eine Seite betrachtet dich als Verräter, die andere traut dir nicht. Man braucht Zeit und einen starken Charakter, um die Leute für sich zu gewinnen.« Alfredo di Stefano bewies diesen nötigen Charakter, allerdings als Trainer. An der Seitenlinie stehend, schaffte er sowohl mit Boca (1969) als auch mit River (1981) die Landesmeisterschaft.

7.
»El Monumental« gehört zu River Plate wie der Borsigplatz zu Dortmund. Der Betonkoloss wurde 1938 hochgezogen und ist bis heute das größte Stadion des Landes. Zwischen 1958 und 1978 passten hier 130.000 ins weite Rund, aktuell begrenzen Sicherheitsbedenken das Fassungsvermögen auf 65.645 Zuschauer. Das »Monumental« wird auch deshalb verehrt, weil die Albiceleste hier 1978 den WM-Triumph über die Niederlande feierte. Der Kessel an der Avenida Presidente Figueroa Alcorta steht gleichwohl für mehr als nur Fußball: Weil der Staat über 80 Prozent der Baukosten trug, fanden soziale Einrichtungen wie Kindergärten, Schwimmbäder und ein Theater ihren Weg in den Bauch der Tribünen, auf denen das vereinseigene Selbstverständnis dem Besucher schon beim Betreten begegnet: »Der Stolz, der Größte zu sein«, steht in dicken Lettern an der Eingangspforte angeschlagen. 

8.

Die Geschichte des altehrwürdigen »El Monumental« ist leider auch besudelt vom Blut der 71 Menschen, die am 23. Juni 1968 bei der schlimmsten argentinischen Stadionkatastrophe aller Zeiten starben. Nachdem der »Superclásico« gegen die Boca Juniors beim Stand von 0:0 abgepfiffen worden war, sollen Boca-Fans brennende Zeitungen auf River-Anhänger geworfen haben. Bei der anschließenden Massenpanik starben 71 Personen, mehr als 150 wurden verletzt. Bis heute ist niemand für dieses Unglück zur Rechenschaft gezogen worden.

9.
Die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte spielte River Plate vor gar nicht allzu langer Zeit. 2008 beendete das Team die argentinische Apertura, das zweite Halbjahr, auf dem letzten Tabellenplatz. Ein Absturz, der sich auch deshalb so bemerkenswert ausnimmt, weil die Clausura, das erste Halbjahr des gleichen Jahres, gewonnen wurde. Von der Meisterschaft blieb dann nur der Kater. Die Spieler fielen kollektiv ins Leistungstief, das aus Platz 1 schnell Platz 20 machte. Trainer Diego Simeone trat im November zurück und überließ es Jugendcoach Gabriel Rodríguez, den Scherbenhaufen einzukehren. Im letzten Spiel vergeigten die Millionarios dann gegen Estudiantes La Plata mit 1:1. Drei Punkte hätten die rote Laterne schon verhindert. Immerhin, die argentinische Durchschnittsregel, die den Koeffizienten der letzten drei Spielzeiten errechnet, beugte einem Abstieg in die B-Klasse vor, mehr noch: River Plate musste nicht nur nicht runter, sondern durfte als Schlusslicht trotzdem in der Copa Libertadores ran. Argentinische Mathematik.

10.
Rivers radikalste Fangruppierung nennt sich »Los Borrachos del Tablón«, ins Deutsche bildhaft zu übersetzen mit: »Die Besoffenen von der Theke«. Die Hooligans bedienen den sentimentalen Ruf alteingessener Fanclubs, führen aber nicht nur in der Kurve ein hartes Regiment, sondern auch hinter den Kulissen: Als kriminelle Drogen- und Waffenschmuggler und als Mordkommando, das mehrere Fans der verhassten Rivalen von Boca Juniors auf dem Gewissen hat. Gleiches mit gleichem zu vergelten ist hier keine rückständige Kriegrhethorik, sondern Normalität. River-Präsident José María Aguilar sucht den Schulterschluss mit den Borrachos, um die eigene Macht zu sichern. Er schanzt ihnen Freikarten und organisatorischen Spielraum zu und verkündet für alle Welt, River sei der sicherste Klub Argentiniens. 

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