10 Fragen an die 2. Liga

Wer stoppt das Kaufhaus des Ostens?

Am Böllenfalltor wird man als Gästefan noch richtig nass, Frank Schmidt spielt Mau-Mau als ginge es um Leben und Tod, durch Heidenheim weht ein Hauch von Real Madrid. Was sonst noch? 10 Fragen zum Saisonstart der 2. Liga.

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Wer sind die Favoriten?
Allein aus historischen Gründen sollte man den 1. FC Nürnberg auf der Rechnung haben. Die Franken sind nicht nur der Rekordabsteiger der ersten (achtmal), sondern auch Rekordaufsteiger der zweiten Liga (siebenmal) – wobei sie sich letzteren Titel noch mit Arminia Bielefeld teilen müssen. Viermal schaffte der FCN den direkten Wiederaufstieg, der neue Coach Valérien Ismael geht fest von Nummer fünf aus: »Für uns kann das Ziel natürlich nur der Wiederaufstieg sein.« Die Voraussetzungen stimmen, der Kader der Franken hat einen Marktwert von 23,5 Millionen Euro – Ligaspitze.

In besagter Liste folgen dem FCN übrigens Fortuna Düsseldorf, der 1. FC Kaiserslautern, die SpVgg Greuther Fürth, der TSV 1860 München und Eintracht Braunschweig. Genau die Vereine, die wohl auch zum erweiterten Favoritenkreis der Liga zählen. Wunderdinge darf man von den Münchener Löwen erwarten. Deren neuer Trainer Ricardo Moniz erklärte jedenfalls kürzlich bei Sky: »Wir müssen Meister werden, fertig. So einfach ist das.«

Natürlich wollen wir auch die Wundertüte aus Leipzig auf der Rechnung haben. Doch ist das Team wirklich schon so weit, um ernsthaft ins Aufstiegsrennen einzugreifen? Nein, wenn man einer Umfrage unter den Zweitliga-Trainern glaubt. Nur zwei legten sich auf Leipzigs Aufstieg fest.

Was machen die Absteiger?
Kann man beim 1. FC Nürnberg überhaupt noch vom selben Team wie im vergangenen Jahr sprechen? 15 Neue ersetzen 17 Abgänge. Die großen Fragen sind: Kommen die Sturmeinkäufe Peniel Mlapa, Jakub Sylvestr und Niclas Füllkrug gemeinsam auf die Torquote von Josip Drmic, der in Leverkusen anheuerte? Wer verwandelt Standards so konsequent zu torgefährlichen Szenen wie Neu-Hannoveraner Hiroshi Kiyotake? Und läuft Jan Polak wieder zur Form seines ersten Engagements im Frankenland auf?
In Braunschweig war der Aderlass kleiner. Der Abgang mehrerer Stammkräfte tat weh, aber zumindest auf der Trainerbank ist mit Torsten Lieberknecht weiterhin Konstanz. Die Eintracht muss sich nicht komplett neu erfinden.

Welche Chancen haben die Neulinge?
Der 1. FC Heidenheim stieg souverän als Tabellenerster in die zweite Liga auf, 2007 spielte der Klub noch in der Oberliga Baden-Württemberg. Trotzdem: Die Mannschaft des ehemaligen Aachen-Profis Frank Schmidt dürfte es schwer haben. »Es wird nur wenige Mannschaften geben, die am Schluss froh sind, wenn sie drei andere Teams hinter sich gelassen haben«, erklärte Schmidt kürzlich, der ein Team ohne echten Star aufs Feld schickt. Identifikationsfigur und Leistungsträger ist Kapitän Marc Schnatterer, den die Fans liebevoll »MS7« nennen und so Heidenheim einen Hauch von Cristiano Ronaldo verpassen. Anders als in Madrid geht es für die Aufsteiger aber nicht um Zauberfußball, sondern ums Drinbleiben.

Über diesen Vorsatz kann man bei RB Leipzig nur lachen. Bei den »Rasenballsportlern« sieht man die zweite Liga nur als Durchgangsstation. Das Bus-Kennzeichen des Brause-Fabrikanten lautet L-RB-21, dementsprechend schnell soll es in die Bundesliga und Europa gehen. Dafür haben Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Alexander Zorniger keine Kosten gescheut. Stolze elf Millionen Euro gab RB für Neuzugänge aus, weitere Investitionen bis Ende August sind nicht ausgeschlossen. Etwa genau so viel investierte der Rest der Liga zusammen in seine Kader. Zahlen sich die Investitionen direkt aus? Nach dem Auftaktprogramm (Aalen, 1860 München, Aue, FSV Frankfurt) wissen wir mehr.

Dramatischer als Darmstadt 98 kann man das Ticket für die zweite Bundesliga nicht lösen. Erst in der 122. Minute des Relegations-Rückspiels gegen Bielfeld hämmerte der eingewechselte Elton da Costa die »Lilien« in die Zweitklassigkeit. Mit dem Klassenerhalt könnte es sich weniger euphorisch verhalten: Zwar verlängerte Torjäger Dominik Stroh-Engel seinen Vertrag, als echte Verstärkungen holte Darmstadt aber nur Dresdens Roman Bregerie und Christian Wetklo. Wenige Tage vor dem Saisonstart löste der Verein den Vertrag mit dem ehemaligen Mainzer Torhüter aber auf, es gab wohl interne Differenzen. Trainer Schuster appelliert für das große Ziel Nichtabstieg an den Zusammenhalt: »Wir sind das kleine gallische Dorf – so wie wir es in der letzten Saison auch waren. Das ist keine Situation, mit der wir unzufrieden sind.«

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