10 Dinge über Scheichs im Fußball

»Our camel is a winner!«

Was früher der Fleischgroßhändler war, ist heute der Scheich: reich, irgendwie verrückt und bereit, seine Kohle im Fußball zu verjubeln. Aktuellstes Beispiel: Paris St.Germain-Boss Nasser El-Khelaifi, der im Wochentakt Fantasie-Angebote für die teuersten Kicker der Welt verkünden lässt.

1.
Uli Maslo, zuvor in Dortmund, Schalke und Braunschweig beschäftigt, heuerte 1985 im Bahrain ein, vier Jahre später gab er dem »kicker« Einblicke in die Fankultur seines »Privatscheichs« (»kicker«) Khalid bin Khalifa al Khalifa: »Also, einen Stehplatz hat er nicht. Er nimmt im bequemen Clubsessel Platz, der feinste rote Teppich wird ausgerollt, davor ein Tisch mit Tee, Soft-Drinks und Erdnüssen. Nicht zu vergessen er Fernseher. Die Scheichs schauen während des Spiels nur auf den Bildschirm. Sie wollen sehen, ob sie selbst immer schön im Bild sind.«

2.
1981 besuchten Reporter vom »Stern« die Vereinigten Arabischen Emirate, um sich über den dortigen sportlichen Aufschwung zu wundern. Neben einem Eishockey-Team mitten in der Wüste (Kampfname: »Penguins«), trafen die Journalisten auch Scheich Mana aus Dubai. Ein Fußballfreund mit einer Vorliebe für Ästhetik: Weil sich der Scheich für seine Mannschaft eine hübsche grüne Spielfläche wünschte, aufgrund der extremen Witterungsbedingungen allerdings auf Naturrasen verzichten musste, Kunstrasen wiederum für zu gewöhnlich befand, orderte der Mann kurzerhand eine amerikanische Firma, die den Fußballplatz mit einem dicken, grünen Teppich auslegte. Zusammensetzung: 80 Prozent Baumwolle, 20 Prozent Acryl. Waschbar bis 40 Grad. Kostenpunkt: acht Millionen US-Dollar. Laut »Stern« der »teuerste Teppich des Orients«.

3.
Jede WM braucht ihre Exoten. Was 1998 Jamaika und 2006 Angola war, war im Jahr 1982 der Wüstenstaat Kuwait. Und wie es sich für den Umgang mit Exoten gehört, verbreiteten auch 1982 in Spanien anerkannte Schmierenblätter halb-rassistische Unwahrheiten, um den Exotenstatus noch zu untermauern. So vermeldete die spanische Zeitschrift »Interviu« im Juni 1982, die Scheichs aus Kuwait hätten »für ihren persönlichen Gebrauch« während der Weltmeisterschaft »3500 Frauen, alle blond und aus Deutschland« bestellt. Scheich Fahd al Ahmed al Sabbah verstieg sich anschließend zu eine antisemitischen Antwort: »Wer ist daran interessiert, Araber und Deutsche zu verunglimpfen? Die Juden!«

4.
Als eine Reporterin des besagten Magazins wenige Tage später im Teamhotel der Kuwaitis auftauchte, begrüßte sie Scheich Fahd höchstpersönlich – und revanchierte sich mit der höflichen Frage, ob sie bereits eine der Bezahldamen aus Deutschland sei. Die entrüstete Journalistin berichtete daraufhin mit einiger Häme über das vor dem Hotel platzierte Kamel (im Nationaltrikot!), auf dessen Hinterflanke die Fußball-Delegation Aufkleber mit der Aufschrift »Our camel is a winner!« angebracht hatten. Was die Frau nicht wusste: Die Kuwaitis hatten das Tier extra für schmale 2500 Dollar aus Marokko einfliegen lassen, um die eigenen Klischees durch den Kakao zu ziehen. Sieg nach Punkten für Scheich Fahd und Co.

5.
Scheich Fahd war es dann auch, der während des Turniers für einen der kuriosesten Momente der WM-Geschichte sorgte. Im Gruppenspiel gegen Frankreich hatte seine Mannschaft soeben das 1:4 kassiert, die kuwaitische Defensive war zuvor von einem Pfiff aus dem Publikum irritiert worden, einige Spieler hatten gar die Gegenwehr eingestellt und auf eine Abseitsstellung spekuliert. Der Schiedsrichter entschied selbstverständlich trotzdem auf Tor – was Scheich Fahd so erzürnte, dass der mächtige Verbandsboss kurzerhand seine Spieler vom Platz delegierte und sich selbst in einen heftigen Disput mit den Offiziellen und Schiedsrichtern einließ. Der nächste Punktsieg für den Scheich: Der Schiedsrichter annullierte den Treffer, das Spiel ging weiter. Scheich Fahd wurde für seine Aktion (»Stern«: »Inmitten dieser programmierten Turnierregie ein wohltuendes Lebenszeichen.«) von der FIFA nachträglich zu 25.000 Franken Strafe verdonnert und maulte treffend: »Die Mafia ist nichts gegen diese FIFA!«

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