10 Dinge über Preisverleihungen

Goldene Mülltonne, ein X und Che Guevara

Jüngst wählten bulgarische Fans ihren Ministerpräsidenten zum »Spieler des Jahres«. Auch bei anderen Auszeichnungen verläuft nicht immer alles nach Plan: Verleihungen werden geschwänzt und Kleidervorschriften ignoriert. Lest hier zehn skurrile Anekdoten. 10 Dinge über Preisverleihungen

Wahlsieg
Bulgariens Fans haben gewählt. Ihr Ministerpräsident Bojko Borissow ist Fußballer des Jahres 2011. Der Hobby-Kicker, der gelegentlich für den Drittligisten Witoscha Bistriza aufläuft, gewann die Abstimmung mit 44 Prozent deutlich vor Stürmerstar Dimitar Berbatow. Was aussieht wie eine initiierte Kampagne eines machtsüchtigen Politikers, ist in Wahrheit als Protest gegenüber der Fußballelite des Landes zu verstehen. Die Nationalmannschaft belegte in der Qualifikationsrunde zur Fußball-EM einen indiskutablen letzten Patz und auch die Vereinsmannschaften konnten sich weder für die Champions-League noch die Europa League qualifizieren. Borissow forderte daher die Annulierung der Wahl und mahnte Reformen im bulgarischen Fußball an.

Preis für die Tonne
Mit der »goldenen Mülltonne« wird jährlich der schlechteste Spieler der italienischen Meisterschaft gekürt. Besonders kritisch beäugen die Hörer des preisverleihenden Senders »RAI 2« dabei brasilianische Spieler. Zwischen 2003 und 2010 gingen fünfmal Spieler vom Zuckerhut als »Sieger« hervor. Besonders hart traf es Adriano, den Stürmer vom AS Rom. Nach 2006 und 2007 wurde Adriano 2010 bereits zum dritten Mal mit der unrühmlichen »Mülltonne« geehrt.

Der goldene Otto
Wenig dankbar zeigte sich die griechische Nationalmannschaft um Trainer Otto Rehhagel bei der Ehrung der griechischen Sportjournalisten zur »Mannschaft des Jahres 2003«. Sie blieb der hochkarätig besetzten Veranstaltung geschlossen fern. Da auch Fußballverbandspräsident Gagatsis verspätet eintraf, musste Staatspräsident Stefanopoulos die Auszeichnung an einen Staatssekretär überreichen. Der anwesende Kulturminister kommentierte die Abwesenheit der Nationalmannschaft schockiert: »Ich will glauben, dass es ein ernstes und unvorhergesehenes Hindernis gegeben hat. (...) Ich will nicht glauben, dass es einen anderen Grund für das Fernbleiben gibt, weil die Ehre, die dem Nationalteam vom Staatsoberhaupt und den Sportjournalisten zuteil geworden ist, riesengroß ist.« Dass Glauben nicht immer nutzt, bewies eine nachträgliche Entschuldigung des Fußballverbandes, in der es heißt: »Unsere Abwesenheit ist auf eine falsche Einschätzung bezüglich des Wertes der Auszeichnungen und der damit einhergehenden Ehre zurückzuführen.«

Es gibt nur einen Diego Maradona!
Die FIFA-Wahl zum »Weltfußballer des Jahrhunderts« im Jahr 2000 führte bei Diego Maradona noch vor der feierlichen Gala im Rom zu Verstimmungen. Denn nicht er sollte ausgezeichnet werden, sondern Pelé. Maradona widersprach dem Urteil der Jury und stellte klar: »Ich bin der Beste.« Um einem Eklat vorzubeugen, agierte FIFA-Präsident Blatter salomonisch und verwies auf eine Internetumfrage, bei der Diego vor Pelé gelegen hatte. Blatters Plan: Beide sollten ein Trophäe erhalten. Doch Maradona machte allen einen Strich durch die Rechnung. Bei seinem Auftritt auf der FIFA-Gala ließ sich der ehemalige Kicker des SSC Neapel vom italienischen Publikum als der »von den Fans gewollte« Jahrhundert-Fußballer feiern. Maradona widmete seine Trophäe »Argentinien, seiner Familie und Fidel Castro«. Noch vor der Ehrung Pelés verließ er unter Standing Ovations die Veranstaltung. Der Applaus für Pelé fiel deutlich bescheidener aus, was diesen aber nicht in seiner Überzeugung irritierte: »Es ist wie in der Musik. Dort gibt es Beethoven und die anderen. Und im Fußball gibt es eben Pelé und die anderen.«

Satz mit X
Meister werden ist schön, einen Fuxx dazu kriegen aber umso mehr - glaubten jedenfalls die Kollegen von »ran«. Nicht ganz so sahen das im Jahr 2000 die frischgebackenen Meister Stefan Effenberg und Oliver Kahn. Siegestrunken interessierte sie der Phantasie-Preis in Form eines »X«, vergeben durch die Zuschauer der Fußball-Unterhaltungsshow, herzlich wenig. Während Oliver Kahn noch um eine diplomatische Antwort bemüht war, platze die Wahrheit aus Stefan Effenberg heraus: »Ihr könnt dem Emerson noch zehn Fuxx schenken. Wir haben die Meisterschaft, wir haben den Pokal, das ist viel mehr wert, als dieses scheiß X da.« (Video)

Preis fürs Lebenswerk
Infolge des Manipulationsskandals im italienischen Fußball 2005/2006 wurden Juventus Turin die Meisterschaft aberkannt und dem zweitplatzierten AC Milan 30 Punkte abgezogen. Am grünen Tisch erhielt der Ligadritte Inter Mailand den »Scudetto«. Klar, dass Silvio Berlusconi die Meisterschaft für den Lokalrivalen nicht schmeckte. Seine Gratulation an den Inter-Besitzer Massimo Moratti geriet demzufolge reichlich spitz. Moratti habe ja nun schon seit über einem Jahrzehnt die Verantwortung bei Inter; da sei die Meisterschaft (es war die erste seit 1989) so etwas wie eine Auszeichnung fürs Lebenswerk. Quasi ein Mitleidspreis für jemanden, der sonst nie etwas gewinnt.

Officer Beckham
Die Heldenverehrung des David Beckham nimmt auf der Insel bisweilen skurrile Ausmaße an. Dass sich auch die Queen davon anstecken lässt, beweist ihre Ernennung Beckhams zum »Officer of the British Empire«. Der 90 Jahre alte Orden gehört zu den wichtigsten Auszeichungen Großbritanniens und wird an jene verliehen, die dem Empire zu Ruhm verholfen haben. In diesem Sinne wurde David Beckham für seine sportlichen Leistungen und seine Vorbildfunktion ausgezeichnet. Lobend erwähnt wurde, dass der damalige Kapitän der englischen Nationalmannschaft nie über die Stränge schlage, nicht raucht und nicht trinkt. Anscheinend eine Ausnahmeerscheinung unter englischen Kickern.

Revoluzzer Henry
Zur Auszeichnung zum Weltfußballer des Jahres erschien der zweitplatzierte Thierry Henry im legeren Revoluzzerlook. Auf seinem roten T-Shirt prangte das berühmte Konterfei Che Guevaras in Übergröße. Auf seine Kleiderauswahl angesprochen, entgegnete der Franzose, er habe Ches Tagebücher gelesen: »Ich bewundere ihn für das, was er getan hat. So einfach ist das.« Dass Henry in der kapitalistischen Hochburg Zürich zu einer luxuriösen Gala im klassenkämpferischen Outfit erschien, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Ein Journalist mutmaßte anschließend: »Im Fall einer siegreichen Weltrevolution hätte Che die meisten der Anwesenden wohl hinrichten lassen«.

Grandios Preis
Seit 2006 verleiht die Deutsche Akademie für Fußballkultur jährlich den Fußballkulturpreis. Die Auszeichnung für den »Fußballspruch des Jahres« ging 2011 an Roman Weidenfellers sprachenmixende Saisonbilanz: »I think we have a grandios Saison gespielt«. Der Torhüter des BVB nahm den Preis stolz entgegen: »Ich glaube, den hab ich mir redlich verdient.« Hinter sich ließ Weidenfeller Armin Veh mit dem Spruch »Fußball könnte so schön sein, wenn nicht dauernd was Blödes passieren würde«. Ebenfalls zur Wahl standen Christoph Daum mit »Wenn der Kopf richtig funktioniert, dann ist das wie ein drittes Bein« und Thomas Müller mit »Die haben Leute dabei, die mehr Haare am Rücken haben als auf dem Kopf. Da ist natürlich mehr Erfahrung da«. (Alle Siegersprüche der vergangenen Jahre)

Ausgezeichnetes TV-Ereignis
Der Deutsche Fernsehpreis stand 2010 unter keinem guten Stern. Während der Schauspielerverband gegen die Ausbreitung prekärer Verhältnisse in der Branche protestierte und erstmals keine individuellen Ehrungen für Regisseure, Kameraleute und Drehbuchautoren vergeben wurden, ging der Ehrenpreis der Sender an die Fußball-Nationalmannschaft. In der Urteilsbegründung wurden deren Spiele als »Fernsehereignisse des Jahres« gepriesen. Oliver Bierhoff nahm den Preis entgegen, begleitet von großem Unverständnis vieler Fernsehschaffender. Eine Fachzeitschrift wertete die Auszeichnung der DFB-Elf anschließend als einen »Schlag ins Gesicht der Branche«. Wenig Begeisterung löste zudem die Ehrung für die WM-Berichterstattung des Senders RTL als »beste Sportsendung« aus. Kritiker werfen dem Fernsehpreis nicht ganz zu Unrecht vor, den Massengeschmack des Publikums befriedigen zu wollen, ohne dabei auf Qualität zu achten.

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