28.03.2012

10 Dinge über Olympique Marseille

»Wie sagt man Niete auf Deutsch?«

Im heutigen Champions-League-Viertelfinale reist der FC Bayern München zu Olympique Marseille. Aber was weißt man eigentlich über den Klub aus Südfrankreich? So gut wie nichts? Kein Problem: Zehn Mal nützliches Wissen zu Olympiqe Marseille.

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1.
Zuallererst ein paar Zahlen: Derzeit liegt Olympique Marseille auf Rang acht der französischen Liga. Dabei hat die Mannschaft in 29 Spielen erst 36 Tore geschossen und stolze 30 Gegentreffer kassiert. Zudem hat der Klub seit dem 15. Januar kein Liga-Heimspiel mehr gewonnen. Kurzum: Der Klub steckt in der Krise. Nach dem peinlichen Pokal-Aus gegen den Drittligisten US Quevilly (2:3 (1:1, 0:1) nach Verlängerung) titelte die »L'Equipe« bereits »Wie sagt man Niete auf Deutsch?«

2.
Allerdings ist Olympique der erste offizielle Sieger der Champions League. Im Finale am 26. Mai 1993 besiegte OM das drückend überlegende Starensemble vom AC Mailand mit 1:0. Allerdings hatte der Sieg einen faden Beigeschmack, wurde der OM-Mannschaft doch seitdem Dopinggerüchte nachgesagt, die bis heute nicht entkräftet werden konnten. In den Reihen der Franzosen damals stand auch ein gewisser Rudi Völler, der allerdings nicht mit dem Doping zu tun hatte. Das Siegtor erzielte der Franzose Basile Boli nach einer Ecke. Spielort damals: München.

3.
Die großen Erfolge von OM gingen einher mit der Amtszeit des sagenumwobenenen Klubchefs Bernard Tapie. Dabei war der Mann, der Marseilles Erfolge erst mit allerlei Korruption befeuerte eigentlich Anhänger von AS St. Etienne. Während Tapies Anfangstage wäre sogar beinahe Paul Gascoigne nach Marseille gewechselt. Tapie reiste extra mit dem Privatjet nach Tottenham, um Gascoigne zu beobachten. Während eines Spiels drehte sich Tapie dann zu Gascoignes Berater um und sagte: »Dieser Spieler muss nach Marseille, unbedingt!« Zum Erstaunen aller meinte Tapie aber nicht Gascoigne, sondern Chris Waddle, der schließlich als seinerzeit drittteuerster Spieler der französichen Ligageschichte für umgerechnet sieben Millionen Euro zu OM wechselte.

4.

Ähnlich spektakulär mutetet 1990 auch die Verpflichtung von Franz Beckenbauer als Trainer an. Doch bereits nach vier Monaten entließ Tapie den Kaiser mit den Worten: »Er ist kein gute Trainer«. Stattdessen arbeitete die Lichtgestalt als Sportdirektor für OM. Ein Wechsel, der sich schnell bezahlt machen sollte. Nämlich als im Jahr 1991 im Viertelfinal-Rückspiel des Landesmeistercups gegen den AC Mailand beim Stand von 1:0 für OM 15 Sekunden vor dem Schlusspfiff ein Flutlicht ausfiel. Die Milan-Spieler verließen unter Protest das Spielfeld, hofften sie doch, durch ein Wiederholungsspiel das sichere Ausscheiden noch Abwenden zu können. Allerdings hatten sie die Rechnung da ohne den großen Franz Beckenbauer gemacht. Der Kaiser, seinerzeit Sportdirektor bei OM, bezirzte die Uefa-Offiziellen allerdings dermaßen, dass sie Milan kurzerhand vom Wettbewerb ausschlossen. Marseille erreichte schließlich das Finale, scheiterte aber im Elfmeterschießen an Roter Stern Belgrad.

5.
Der Kaiser und Rudi Völler waren aber nicht die einzigen Deutschen, die in Marseille für Furore sorgten. Vor allem Karl-Heinz Förster verlebte hier ein paar wunderbare Jahre. 1989 und 1990 wurde er mit OM französischer Meister sowie französischer Pokalsieger 1989. Grund genug für den »Treter mit dem Engelsgesicht« nach diesem Triumph seine Karriere zu beenden. Beim Doublesieg 1989 ebenfalls im Kader der Südfranzosen: der heutige Werder-Manager Klaus Allofs.

6.
Nationalkeeper Andreas Köpke hingegen landete eher unfreiwillig im Kasten von Marseille. Nach der EM 1996 hatte Köpke eigentlich einen Vertrag beim FC Barcelona unterschrieben. Doch Barca entschied sich kurzfristig um und holte Portugals Gelmodel Vitor Baia. Plötzlich stand Köpke ganz ohne Verein da und kam kurzfristig bei Marseille unter, bevor er zwei Jahre später nach Nürnberg wechselte.

7.
Ein weiterer Megastar aus Marseilles goldenen Neunzigern war Abedi Pelé. Die Anekdote, dass er fälschlicherweise 1996 zu 1860 München wechselte, weil er dachte, er hätte beim FC Bayern unterschrieben, ist hinlänglich bekannt. Die Erben Pelés finden sich auch im heutigen Kader von OM wieder. Die Gebrüder Ayew (Jordan und Andrew) stürmen heute gegen den FC Bayern. Sie sind die Söhne des großen Abedi.

8.
Sowieso hat Marseille in seiner nunmehr 103-Jährigen Vereinsgeschichte einige große Namen beheimatet. Hier ein Auszug: Eric Cantona, Fabien Barthéz, Laurent Blanc, Alen Boksic, Marcel Desailly, George Weah, Jean Tigana, Robert Pires, Didier Drogba, Jean-Pierre Papin und Fabrizio Ravanelli.

9.
Mit Josip Skoblar stellt OM seit 1970 auch den Rekordtorschützen der französischen Ligue 1. Nachdem Skoblar 1970 von Hannover 96 zurück ans Mittelmeer gewechselt war, traf der Kroate in einer Saison sagenhafte 44 Mal ins gegnerische Tor. Eine Bestmarke, die im französischen Fußball bis heute unerreicht ist.

10.
Einer der Stars von heute ist Mathieu Valbuena, der den Spitznamen »Le Petit velo« (Das kleine Fahrrad) trägt. Dass Valbuena heute überhaupt auflaufen kann, grenzt schon fast an ein Wunder, gilt der Franzose, der vor einem Jahr beinahe bei Schalke 04 gelandet wäre, doch als notorischer Pechvogel: Im Alter von neun Jahren wurde er etwa bei einem Badeunfall schwer verletzt. Der kleine Mathieu schlitzte sich an der Schraube eines Sprungbrettes das linke Bein auf. Die Wunde musste mit 50 Stichen genäht werden. 2010 krachte er gar am Weihnachtstag mit seinem Lamborghini Murcielago in eine Leitplanke. Doch ohne ein Prellung stieg Valbuena aus dem schrottreifen Gefährt. Den Fans von Borussia Dortmund dürfte Valbuena jedoch nicht in allerbester Erinnerung sein, schließlich kickte der kleine Mittelfeldmann die Borussia mit einem Traumtor endgültig aus dem europäischen Spitzenfußball.

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