6. Derzeit erfolgreichster und bekanntester irischer Fußballer ist wohl Roy Keanes Namensvetter Robbie. Insbesondere in Tottenham hat sich der spielintelligente Angreifer verdient gemacht, mittlerweile kickt Keane bei LA Galaxy und gibt dort einen willkommen erdigen Kontrast zum verhinderten Popstar David Beckham ab. International fehlen Keane nur noch vier Länderspiele zum Rekordnationalspieler, mit 54 Toren in 121 Spielen hat er sich aber ohnehin schon unantastbar gemacht. Dass die Unantastbarkeit nicht für seine Gegenspieler gilt, zeigt folgendes Video:
7. Immer mal wieder betreten derlei Keanes die große Fußballbühne, insgesamt fristete der irische Fußball aber über Jahrzehnte ein eher unauffälliges Dasein. Obwohl schon seit 1923 Mitglied der FIFA, dauerte es bis 1988, bis sich Irland für ein großes Turnier qualifizieren konnte. Das lange Warten hatte sich allerdings gelohnt: Bereits im ersten Gruppenspiel bezwang man sensationell den großen Bruder England mit 1:0, was am Ausscheiden der Mannschaft nach einem Unentschieden gegen die Sowjetunion und einem knappen 0:1 gegen die Niederlande leider nichts ändern konnte. Sei's drum: Mannschaft und Trainer wurden zu Volkshelden, das Interesse der Iren am Fußball stieg sprunghaft an, alles in allem ein Sieg für die Geschichtsbücher. Wer braucht schon Trophäen?
8. Vater des Erfolges war damals John »Jack« Charlton, der Bruder von Sir Bobby. Der gebürtige Engländer, den Wikipedia unangemessen kumpelhaft »Kulttrainer« nennt, begann nach seiner Profilaufbahn eine recht vielversprechende Trainerkarriere und ging Mitte der Achtziger überraschend zum vor sich hin darbenden irischen Verband. Wenige Jahre und so einiges an klinsmannesker Reformarbeit später fanden sich die Iren, zackbumm, bei besagter EM wieder. Dass ihnen dabei so gar nichts zugetraut wurde, brachte den Coach auf die Palme. Trotzig sprach er in Interviews vom Titelgewinn und von hanebüchenen Spielsystemen mit 5 Stürmern und Achterketten. Merke: Man nehme den Trainer, der als einziger in der Geschichte des englischen Fußballs in seiner ersten Saison direkt zum »Manager of the Year« gekürt wurde, bitte ernst, sonst muss man sich im Interview von ihm am Nasenring durch die Manege führen lassen.
9. Größter Erfolg der Irischen Nationalmannschaft ist bis heute das Erreichen des Viertelfinales bei der WM 1990. Größte – zumindest seelische – Niederlage war wohl die verpasste Qualifikation zur WM 2010. Die Volleyballeinlage von Thierry Henry, die zur Niederlage der Iren führte, wird den meisten Fußballfans noch gut in Erinnerung sein. Wem dies anders geht, dem sei ein Besuch bei Youtube empfohlen. Beim Blick in die Kommentarspalte erhält man dann auch direkt eine Ahnung von den Ausmaßen des Shitstorms, vor dem Henry schließlich nach Übersee floh.
10. Ok, kommen wir zu den Klischees. Iren trinken viel, richtig? Nicht ganz. Laut einer Statistik der WHO liegt Irland im pro-Kopf-Verbrauch reinen Alkohols pro Jahr auf einem erschreckend schwachen 11 Platz. Enttäuschende 14,41 Liter bedeuten das graue Mittelmaß in der Sufftabelle, zwischen den No-Names Portugal und Frankreich und weit abgeschlagen hinter dem souveränen Tabellenführer Moldawien, der mit 18,22 Litern reinen Alkohols pro Jahr und Kopf keine Kompromisse zu machen scheint. Deutschland allerdings liegt noch weiter im Süden der Tabelle, nur Platz 19 lässt sich auch als Appell an die deutschen Fußballfans lesen.