10 Dinge über den Weltpokal

»Dös san Verbrecher, alle!«

Es wurden Brillen zertreten, Flaschen geworfen und Gefängnisstrafen verhängt! Bevor der FC Bayern heute bei der Klub-WM antritt, erinnern wir an den harten Vorläufer des Turniers.

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1.
»Das war die schlimmste Schlacht, die ich jemals erlebt habe!« Keine guten Erinnerungen hat Karl-Heinz Schnellinger an das Weltpokalfinale 1969. Damals spielte der AC Mailand gegen Estudiantes de La Plata, und die Argentinier machten ihrem Ruf als härteste Fußballmannschaft der Welt alle Ehre: Drei Spieler flogen vom Platz, und einer wurde später sogar mit einer Gefängnisstrafe belegt. Immerhin: Der AC Mailand gewann nach einem 3:0 im Hinspiel und einem 1:2 im Rückspiel den Cup.
 
2.
Ein Jahr später ging es Feyenoord Rotterdam nicht anders: Carlos Billardo nahm während des Spiel dem kurzsichtigen Joop van Daele die Brille von der Nase und trampelte so lange auf ihr rum, bis nur noch Scherben auf dem Rasen lagen. Kurze Zeit später spuckte Raul Horacio Madeiro dem Feyenoord-Regisseur Wim van Hanegem vor lauter Wut über das Gegentor ins Gesicht. »Dös san Verbrecher, alle!«, tobte Ernst Happel an der Linie. Doch auch hier gab es später wenig Grund weiter zu meckern. Die Europäer gewannen nach einem 2:2 in Buenos Aires mit 1:0 im heimischen De-Kuip-Stadion.
 
3.
Ein paar Fakten: Das erste Weltpokal-Spiel fand 1960 zwischen Real Madrid und Club Atletico Penarol statt. Nach einem 0:0 in Montevideo gewannen die Spanier das Rückspiel vor 125.000 Zuschauern mit 5:1. Bereits nach neun Minuten stand es durch Tore von Ferenc Puskas (2) und Alfredo di Stefano 3:0. Real gewann den Weltpokal noch weitere zweimal und gehört damit neben dem AC Mailand, Boca Juniors, Nacional Montevideo und Club Atletico Penarol zu den Rekordsiegern.
 
4.
Noch ein paar Fakten: Rekordtorschütze ist Pelé mit sieben Treffern. Alleine 1962, im Spiel gegen den europäischen Landesmeister Benfica Lissabon, traf er viermal. Die meisten Weltpokalspiele (8) bestritt Miguel Santoro von CA Independiente. Die höchste Zuschauerzahl gab es beim Rückspiel zwischen dem FC Santos und dem AC Mailand am 14. November 1963. 150.000 Fans strömten damals ins Maracana. Das Spiel gewannen die Brasilianer mit 4:2. Das geringste Interesse gab es am 18. November 1979 beim Spiel zwischen Malmö FF und Club Olimpia: Nur 5000 Zuschauer verirrten sich beim 0:1 ins Malmö-Stadion.
 
5.
Dass der FC Bayern 1976 als erste deutsche Mannschaft den Weltpokal gewinnen konnte, überraschte einige Sportjournalisten. Nach einem 2:0 im heimischen Olympiastadion, hatte man in Belo Horizonte mit einem Offensivfeuerwerk der Brasilianer gerechnet. Vor 130.000 frenetischen Fans und Temperaturen um die 45 Grad würden die Deutschen ihr blaues Wunder erleben. Der Kicker schrieb: »Die Spieler waren nach 22 Stunden Flug und vier Stunden Schlaf und im Tropenwetter kaum wach zu kriegen.« Zum Glück ging aber kurz vor Spielbeginn ein kräftiger Regenschauer über Belo Horizonte nieder. »Das 0:0 wurde zu einer Abwehrschlacht erster Güte. Beckenbauer vergaß alle Eleganz, warf sich Kopf voraus in jede Bresche. Sepp Maier hielt gleich mehrere unhaltbare Bälle, seine Paraden an diesem Abend hätten für einen ganzen Torwart-Lehrfilm gereicht.« Doch auch hier blieb es nicht friedlich: Kurz vor Ende der Partie explodierte ein Böller auf dem Oberschenkel von Jupp Kapellmann. Prompt wollte Trainer Dettmar Cramer seinem Spieler zu Hilfe eilen, doch er kam nicht weit, denn eine Flasche zerschellte an seinem Schädel.

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