10 Dinge über das Rheinderby Köln gegen Leverkusen

»Habe die Ehre, Grüße an die Frau Gemahlin«

Ein Hassderby ist Köln gegen Leverkusen nicht, aber kleine Sticheleien sind trotzdem unerlässlich. Lest hier von dem Boykott eines 50-jährigen Vereinsjubiläums, einen Beinahe-Transfer von Ulf Kirsten zum Rivalen und Pierre Littbarskis Bruch mit dem FC. 10 Dinge über das Rheinderby Köln gegen Leverkusen

1. Angstfreies Derby
Religiös und politisch aufgeladene Rivalität, Revierkämpfe verfeindeter Hooligangruppen und an der Vereinszugehörigkeit gespaltene Familien — all das ist das Derby Leverkusen gegen Köln nicht. Das musste auch Rudi Völler feststellen, der nach seiner Heimkehr aus Italien wehmütig an das Römer Stadtduell denken musste: »Da gab's Polizeischutz nach dem Spiel, wir trauten uns eine Woche nicht mehr raus, weil wir Angst haben mussten vor den anderen Fans oder vor den eigenen, weil wir das Derby verloren hatten. Das sind Derbys! Bayer gegen FC – das ist lächerlich, fünf Nummern kleiner.«

2. Kuschelige Stimmung
Zum Kuschelderby geriet die Begegnung am neunten Spieltag der Spielzeit 2008/09. Bayer-Stürmer Patrick Helmes verkündete schon vor dem Spiel freimütig, dass er im Falle eines Tores nicht jubeln würde, da er seit seiner Kindheit FC-Fan ist und eine tolle Zeit in Köln hatte. Zum Glück für alle Beteiligten kam es nicht zu dieser unangenehmen Situation. Aber auch die Kölner Abteilung Attacke hatte den Sinn eines Derbys nicht verstanden. Milivoje Novakovic schnappte sich nach dem Spiel ein Leverkusen-Trikot, nicht etwa, um damit unappetitliche Sachen zu machen, sondern um es sich überzustreifen und damit minutenlang durchs Stadion zu wackeln. Selbst seine Interviews gab er im Leibchen des Rivalen.

3. Aggressiver Unterton
Hitziger wurde es erst wieder mit »Aggressive Leader« Michael Ballack. Nach einem 2:0-Heimsieg 2011 stieg er wie ein jugendlicher Heißsporn auf den Zaun zu den Leverkusener Ultras und brüllte ins Megafon: »Scheiß FC Köln«. Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser wiegelte hinterher ab: »Ich habe mit Michael gesprochen. Er wusste gar nicht, was er auf dem Zaun machen sollte. Der Capo mit der Flüstertüte hat ihm die Worte in den Mund gelegt.«

4. Selbstgefälliger Niedergang
Nach seinem Verhältnis zu Bayer Leverkusen ist Kölns Präsident Albert Caspers im Jahr 2000 gefragt worden. »Ich habe keines«, war die Antwort, die möglichst pikiert klingen sollte. Denn Bayer hatte den Kölnern zuvor den talentierten Mittelfeldspieler Pascal Ojigwe weggekauft. Den Star aus Köln setzte man in Leverkusen auf die Tribüne und bewies damit die eigene Vormachtstellung am Rhein. Katrin Weber-Klüver kommentierte für die Berliner Zeitung:

»So sind heute die Verhältnisse. Jahrein, jahraus war der 1. FC Köln in den neunziger Jahren damit beschäftigt, selbstgefällig in den Spiegel zu blicken und sich für den schönsten Klub im Land zu halten. So, als sei Divengehabe ein Adelsprädikat und der Platz an der Sonne dem FC daher qua Geburtsrecht und jenseits irgendwelcher Leistungen eigen. Als der FC in der zweitklassigen Wirklichkeit endlich erwachte, hatte nebenan Bayer Leverkusen eine moderne Vereinsstruktur entwickelt, sein Stadion zur optimalen Vermarktung ausgebaut und sich sportlich in der absoluten Bundesliga- und erweiterten europäischen Spitze etabliert. Ganz locker hatte der einst piefige Werksclub die Diva vom Rhein rechts überholt. So weit ist es gekommen.«

5. Gestörte Beziehung
Dass die Beziehung zwischen Pierre Littbarski und dem 1. FC Köln bis in alle Ewigkeit halten würde, war nach über 400 Spielen im FC-Trikot ausgemachte Sache. Doch nach seiner aktiven Laufbahn und einem Abstecher nach Japan wurde Litti Co-Trainer bei Bayer Leverkusen. Verärgert über die schlechte sportliche Entwicklung und einen unprofessionellen Vereinsvorstand hatte er mit Köln abgeschlossen: »Den FC gibt es in meinem Herzen nicht mehr. Ob die nun im Stadion mein Namensschild abhängen oder nicht, das ist mir so scheißegal, das interessiert mich überhaupt nicht. Und die, die jetzt schreien: Littbarski, du Judas, die haben mich doch gar nicht mehr spielen sehen. Damals hatten die noch Pampers an.«

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