17.02.2012
10 Dinge über das Nordderby Werder-HSV
Verschwörungen, Schmerzen, Säbelrasseln
Zum 157. Mal heißt es an diesem Wochenende: Werder gegen den HSV. Zum 157. Mal heißt es Säbelrasseln für Fortgeschrittene. Tim Wiese hat »richtig Bock«, Westermann will dem Keeper »den Mund stopfen«. Zur Einstimmung: Zehn Dinge über das Nordderby.
Text:
Erik Peter und Marius Gutowski
Bild:
Imago
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10 Dinge über HSV-Werder
Säbelrasseln für Fortgeschrittene
1. Pech
Natürlich darf die Papierkugel in keiner Aufführung fehlen. Beim Halbfinal-Rückspiel des UEFA-Cups 2009 versucht HSV-Verteidiger Michael Gravgaard einen Rückpass auf Torhüter Frank Rost zu spielen. Eigentlich keine große Sache, doch kurz bevor der Däne spielen kann, rollt der Ball über eine Papierkugel ins Toraus. Aus der daraus resultierenden Ecke erzielt Werder das 3:1 und begräbt alle Hamburger Finalträume.
2. Schmerzen
20 Minuten lang hängt Ditmar Jakobs im eigenen Tor fest. Beim 4:0-Sieg gegen Bremen in der Saison 1989/90 kratzt der Hamburger Kapitän einen Lupfer von Wynton Rufer gerade so von der Linie. Er rutscht ins Tornetz, das mit Karabinerhaken am Boden befestigt ist. Einer davon bohrt sich in Jakobs' Rücken und muss später mit einem Schneidegerät entfernt werden. Der 36-Jährige geht davon aus, schon in der kommenden Woche gegen Dortmund wieder spielen zu können. Erst später stellen die Ärzte schwere Verletzungen der Nervenbahnen fest. Jakobs macht kein einziges Bundesligaspiel mehr.
3. Verschwörung
Wo Verschwörungstheorien in der Luft liegen, ist auch Uli Hoeneß nicht weit. Der Bayern-Präsident beklagte sich schon mehrfach nach Niederlagen des HSV gegen Werder und vermutete Wettbewerbsverzerrung. Seine Theorie: der HSV verliert absichtlich gegen den Nachbarn um den Bremern die Meisterschaft zu ermöglichen. So polterte er 2004 nach dem vernichtenden 6:0 der Bremer: »Das ist eine Riesensauerei.« Am nächsten Spieltag kam es zum direkten Aufeinandertreffen der Bremer mit dem Zweitplatzierten Bayern München. Hoeneß Forderung (»Wir müssen die jetzt wegfegen«) wird nicht durchgesetzt: Der FCB verlor im Olympiastadion 1:3.
4. Aberglaube
Meister in der ersten Bundesligasaison wurde bekanntlich der 1.FC Köln. An der Seite: Geißbock »Hennes«. Kein Zufall, so die Annahme beim SV Werder, schließlich hatten die Kölner den Glücksbringer »Geißbock Hennes« an der Seite stehen. Also wurde in Bremen kurzerhand der Heidschnudenbock »Pico«installiert. Das nach dem späteren Ehrenspielführer Arnold »Pico« Schütz benannte Tier entpuppte sich als die richtige Maßnahme. Der zweite deutsche Meister hieß Werder Bremen. Sein Debüt feierte »Pico« beim 4:0 im Hamburger Volksparkstadion.
5. Musik
Die Rivalität der beiden Städte beschränkt nicht nur auf den Fußball. Als die Hardrockband AC/DC 2009 in Bremen spielt, geht der ausgesprochene Dank an die Fans nach hinten los. Kein Wunder, denn mit »Thank you, Hamburg« macht man sich an der Weser nicht unbedingt Freunde. Musiker und HSV-Fan Oli Schulz berichtet schelmisch: »Um mich herum standen alle mit 'ner Fresse bis auf den Boden.«
6. Grenzgänger
Dirk Weetendorf, Rodolfo Esteban Cardoso, Boubacar Sanogo oder Frank Rost. Viele Spieler haben während den Jahren die hanseatischen Fronten gewechselt. Unvergessen ist Ailton, der über den Umweg Schalke 04 später bei Hamburg anheuert. Im Trikot des HSV schießt er am 34. Spieltag der Saison 2005/2006 am leeren Tor vorbei. Der Gegner heißt: Werder Bremen.
7. Säbelrasseln
Bremens Torwart Tim Wiese ist immer für einen Spruch gut und weiß vor allem, wie er die Fans auf seine Seite holt. Zusammen mit dem Bremer Ultras-Block stimmte er am Ende der Saison 2008/09 ein energisches »Scheiß HSV« an. Auch vor dem jetzigen Spiel ist er hoch motiviert: »Ich habe Bock auf den HSV.« Deren Kapitän Westermann kontert: »Dass Tim Wiese eine lockere Zunge hat, ist ja bekannt. Ich hoffe nur, dass wir ihm den Mund stopfen können«.
8. Fan-Kommunikation I
Nicht immer belassen es die Fans bei einfallsreichen Scharmützeln wie 2001: So texteten die Werder-Fans in einer Choreografie in Anlehnung ans Bremer Stadtwappen: »Ihr seid das Tor zur Welt – aber wir haben den Schlüssel.« Woraufhin die Hamburger beim 1:0 im Rückspiel konterten: »Für ein Tor brauchen wir keinen Schlüssel.«
9. Fan-Kommunikation II
Anti-Parolen gegen den jeweiligen Verein finden sich auf Aufklebern, Tranparenten, Häuserwänden oder Kleidungsstücken. Nun sind Bremer Fans ein Stück weiter gegangen und haben ihre Abneigung gegen der Rivalen mit Unkrautvernichtungsmittel in eine Wiese auf den Bremer Osterdeich geätzt. Auf einer Strecke von 200 Metern finden sich Parolen, die die Stadt bis zum Derby am Samstag Abend entfernen möchte. Ob das Kurzschären des gesamten Rasens ausreicht, steht noch nicht fest. Sind die Parolen am Samstag immer noch zu lesen sein, soll mit Rasenfarbe nachgeholfen werden.
10. Tod
Am 16. Oktober 1982 stirbt der Werder-Fan Adrian Maleika beim Auswärtspiel in Hamburg in der Nähe des Volksparkstadions. Bereits vor dem Spiel treffen die Gästefans auf eine Gruppe Hamburger Hooligans und werden von diesen angegriffen. Maleika versucht in einen nahegelegen Wald zu flüchten und wird von den Angreifern mit einem Stein am Kopf getroffen. Einen Tag später erliegt er seinen inneren Blutungen in einem Krankenhaus in Altona. Es war der erste gewaltsam verursachte Tod eines Besuchers im Rahmen eines Bundesligaspiels.
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