1.
Vorweg ein wenig Zahlenjonglage. Die Spieler beider Teams sind zusammen etwa 940.000.000 Euro wert. Eine Fantasiesumme, die der kleine Sparer gar nicht richtig fassen kann. Also hier zur Einordnung: Für 940.000.000 Euro könnte man sich 35 mal den kompletten Kader von Fortuna Düsseldorf kaufen. Oder 1880 mal den Spieler Timo Furuholm. Vor kurzem hätte man mit 940.000.000 Euro auch noch Klaus Allofs als Manager verpflichten und Werder Bremen 376 mal dafür abfinden können. Man könnte auch Albert Streit mit einem Vertrag à la Schalke ausstatten und 427 Jahre auf die Tribüne setzen. Oder 940.000.000 Sicherheitseuros bezahlen. Oder 268.571.428,5 Stadionbiere am Millerntor trinken.
2.
Beim ersten ausgetragenen Manchester-Derby spielten übrigens nicht Manchester City und Manchester United gegeneinander, sondern St. Mark's (West Gorton) und Newton Heath, die beiden Vorgängervereine. Das Spiel fand am 12. November 1881 statt und endete 3:0 für Newton Heath. Ein anwesender Reporter beschrieb das Derby als ein »pleasant game«. Seit dem ersten Derby gab es bislang 163 Aufeinandertreffen, von denen United 68 gewinnen konnte, während City 46 Siege einfuhr. »Pleasant« sind die Spiele mittlerweile nur noch selten.
3.
Aber natürlich wird nicht nur gekloppt, wenn die beiden Teams aufeinandertreffen. 2011 sorgte Uniteds Sturm-Shrek Wayne Rooney für ein leckeres Sahnehäubchen auf dem trockenen 1:1-Derbykuchen, als er eine Flanke von Nani mit dem wohl lehrbuchhaftesten Fallrückzieher aller Zeiten in den Winkel jagte. Das Old Trafford explodierte vor Begeisterung und auch der englische Kommentator eskalierte vollends. Zu Recht:
4.
Auch Halbinvalide Michael Owen hatte auf seine alten Tage noch einen Gänsehautmoment im Derby. Im September 2009 ging Manchester United drei Mal in Führung, drei Mal konnte City ausgleichen. Nach Craig Bellamys 3:3 in der 90. Minute schien der Käse eigentlich gegessen, bis der eingewechselte Owen nach einem Weltklassepass von Ryan Giggs alleine vor dem Tor auftauchte und das Ding noch nach Hause fuhr. In der 96. Minute, wohlgemerkt. Ein unglaublicher Kick, der nach der Spielzeit zum besten Spiel der Saison gewählt wurde.
5.
Zu einem richtigen Stadtderby gehört natürlich auch der Hass der verfeindeten Fanlager. Die Abneigung zeigen sich die United- und City-Fans teils auf die gute alte Auf-die-Fresse-Weise, teilweise aber auch auf sehr kreativem Wege. Sucht man auf urbandictionary.com, eine Website, auf der Slang-Begriffe erklärt werden, nach »Man City«, findet man gleich mehrere Einträge, die den neureichen Klub derbe schmähen: »Owned by billionaires who think that they are playing Football Manager« oder »A rather sad, under-achieving football club. Not to be confused with it's highly successful and glamourous local rival«. Großer Spaß. Man United wird beschrieben als »team followed mostly by people outside of England who know nothing about soccer. AITE?« Aite....
Von Freunden und Klatschen
6.
Gute Freunde kann niemand trennen - auch nicht die Rivalität zwischen den Klubs. So waren United-Legende George Best und Citys Mike Summerbee so gut befreundet, dass sie drei Jahre lang in einer gemeinsamen Wohnung lebten und Best Summerbees Trauzeuge wurde. Mit dem Harald Juhnke des britischen Fußballs zusammenzuleben, muss ein unglaublicher Spaß gewesen sein. Noch am Vorabend von Summerbees Hochzeit, die um halb elf stattfand, gingen die beiden in einen örtlichen Pub und tranken bis morgens um sechs. Cheers.
7.
Spielertransfers zwischen den Stadtrivalen sind äußerst selten geworden. Einer der letzten Spieler, der die Seiten wechselte, war 2009 Carlos Tévez. Während sich die meisten City-Fans wahrscheinlich Freudentränen vergießend in den Armen lagen, mussten sich die United-Fans auch noch verspotten lassen. Im Hoheitsgebiet von United ließ City kurzerhand ein riesengroßes, blau-weißes Poster mit Tèvez Konterfei aufhängen. Den passenden Slogan gab es gleich dazu: »Welcome to Manchester«.
8.
Am letzten Spieltag der Saison 1973/74 hatte der Fußballgott aber so richtig schlechte Laune. Anders ist es nicht zu erklären, dass ausgerechnet Citys Denis Law an diesem Tag so frei in Uniteds Strafraum auftauchte und mit der Hacke einnetzte. Law hatte in seiner Karriere in 309 Spielen für United satte 171 Tore geschossen und wollte seine Karriere beim Lokalrivalen ausklingen lassen. Sein Tor sorgte dafür, dass United abstieg, Law selber sagte anschließend, er sei »untröstlich« und spielte nach diesem Spiel nie wieder Fußball.
9.
Seit Scheich Mansour so viele seiner Ölmillionen in Manchester City pumpt, haben sich die Kräfteverhältnisse im Derby geändert. United gegen City ist mittlerweile ein Duell auf Augenhöhe, was sich auch in der Tabellensituation widerspiegelt. Vergangene Saison hatte Manchester United das »auf Augenhöhe« aber kurzzeitig vergessen und kam gegen den ungeliebten Nachbarn mit 1:6 unter die Räder. Zu allem Überfluss auch noch in Old Trafford, was die Klatsche gleich doppelt schmerzhaft machte.
10.
Zum Abschluss: Was sagen eigentlich die Bewohner Manchesters zum Derby?