10 Dinge: Fußballer und Politik

Einfach mal Fresse halten

Seit wann ist Jürgen Trittin eigentlich Uli Hoeneß? Seit dem vergangenen Wochenende wissen wir, dass der Grünen-Politiker die Hertha nicht mag und den Klub sowieso »suizidal veranlagt« findet. Passend dazu: Zehn Dinge über Fußball und Politik. 10 Dinge: Fußballer und Politik

Herrlich: Weil Jürgen Trittin in einem Interview mit unserer Lieblingszeitschrift »Super-Illu« über Hertha motzte, schoss Hertha-Boss Werner Gegenbauer spontan zurück und erklärte feierlich: »Als Berliner sage ich: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.« Was hatte Trittin nur gesagt? Zur Erinnerung: »Ich hätte meinem lieben Otto eigentlich gewünscht, dass er sich das auf seine alten Tage nicht mehr antut, eine Mannschaft zu betreuen, die in ihrem Management derart suizidal veranlagt ist wie Hertha BSC. Der Fisch stinkt immer zuerst am Kopf, wie man bei uns im Norden sagt. So ist das mit Hertha.«

Steilvorlage für uns und zehn kuriose Geschichten über Fußball und Politik! Wie wir bei 11FREUNDE sagen: Einfach mal durchlesen.



Pierre Littbarski


Die CDU war die erste Partei, die die Zeichen der Zeit erkannte. Mit Fußballern lässt sich erfolgreich Politik machen. Und so wurde 1989 der gänzlich unpolitische Pierre Littbarski in die Bundesversammlung gerufen, um Richard von Weizsäcker im Amt des Bundespräsidenten zu bestätigen. Heute blickt »Litti« eher konsterniert auf den PR-Gag zurück: »Sie haben mich in einen schwarzen Anzug gesteckt. Irgendeiner von der Partei hat mit meinem Manager gesprochen und der hat mir dann erklärt, dass ich meinen Zettel langsam in den Topf schmeißen soll - damit die Fotografen genug Zeit haben.«

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Johan Micoud

Angesprochen auf die Theorie des linken Fußballs von Fußballvisionär Menotti entgegnete Johan Micoud einst: »Dann sind wir bei Werder Bremen wohl alle Sozialisten! Ich kannte diese Theorie nicht und sehe auch keinen so klaren Bezug zwischen Fußball und Politik. Ich selbst bin politisch eher bei den Grünen anzusiedeln.« Eine Einstellung die sich Micoud auch nach dem Fußballerleben erhalten hat: heute besitzt er ein Weingut in Frankreich.


Manfred Kaltz

Als die DFB-Elf 1978 zur WM in Argentinien antreten musste, gab es vor dem Turnier eine Menge Bedenken. Immerhin wurde das Land damals von einer Militärdiktaktur regiert: Folterungen, das Verschwindenlassen und Ermorden von Regimegegnern gehörten zur Tagesordnung, heute geht man von 30.000 Todesopfern bis 1983 aus. Umso erstaunlicher, dass sich die Nationalspieler eher unbeeindruckt zeigten, so wie Manni Kaltz: »Nein, belasten tut mich das nicht, dass hier gefoltert wird. Ich habe andere Probleme.«

Jordan Letchkov

Der bulgarische WM-Held von 1994 und wohl größte Alptraum von Thomas Hässler wurde 2003 Bürgermeister seiner Heimatstadt Sliwen und ist Mitglied der konservativen Partei GERB. Nachdem er 2007 in seinem Amt bestätigt wurde, ging es mit der politischen Karriere bergab. 2010 wurde ihm vom Stadtrat das Bürgermeisteramt wegen des Verdachts auf Machtmissbrauch entzogen, es folgte eine dreijährige Bewährungsstrafe . Letchkov perplex: »Eine solche Strafe habe ich nicht erwartet. Wir werden natürlich Berufung einlegen, weil wir glauben, dass es ein politisches Urteil ist.« Bei einem politischen Amt durchaus eine gewagte These.


Ümit Özat


Eher vage Pläne hatte der ehemalige Kölner Ümit Özat nachdem ihn eine Herzmuskelentzündung zum Karriereende gezwungen hatte: »Ich will irgendwann in die Politik, Abgeordneter und Sportminister sein. Oder Bürgermeister.« Zwar wusste Özat noch nicht genau, in welche politische Richtung es gehen sollte, dafür war klar, wer ihm die Entscheidung abnimmt: »Für welche Partei, das entscheidet letztlich mein Vater.«

Paolo Di Canio

Paolo Di Canios Neigung zum rechten Rand ist weitläufig bekannt. Der Italiener, mittlerweile Coach beim englischen Klub Swindon Town, trägt ein Tattoo mit der Aufschrift »Dux« zu deutsch »Führer«. Während seiner Zeit bei Lazio Rom lief Di Canio gerne mal mit dem »Mussolinigruß« in die Kurve. Der italienische Verband verdonnerte ihn daraufhin zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro. Fast schon rührend war die Reaktion der rechtsradikalen Lazio Fans: Diese starteten eine Sammelaktion um dem etwas klammen Meinungsführer unter die Arme zu greifen und bezahlten die geforderte Summe.


Cristiano Lucarelli


Härter traf es Christiano Lucarelli. Nachdem ein Tor mit dem Recken der kommunistischen Faust bejubelt wurde, verurteilte ihn der italienische Verband ebenfalls zu einer Geldstrafe, die allerdings unverhältnismäßig höher ausfiel als Di Canios. Für die Geste bezahlte Luccarelli 30.000 Euro. Der Stürmer sympathisierte zu Zeiten als Spieler bei Livorno mit den kommunistischen Anhängern des Vereins. Als diese nach Ausschreitungen mit rechtsradikalen Lazio Fans in Rom verhaftet wurden, spendierte Lucarelli drei Busse und ließ die Fans von der Polizeistation zurück nach Hause fahren.

David Beckham

David Beckham ist neben seinen Bananenflanken auch für sein stets stilsicheres Auftreten neben dem Platz bekannt und lag bei der Kleiderwahl trotzdem einmal ordentlich danaben. So zeigte der Aufdruck auf seinem T-Shirt das Gesicht von Adolf Eichmann, einer der Hauptorganisatoren des Holocausts. Beckhams Sprecher gab daraufhin kleinlaut zu Protokoll: »David bekam das T-Shirt von einem Fan aus Amerika. Ihm gefiel das Design, und das war der Grund, warum er es getragen hat. Wenn er das Bild erkannt hätte, hätte er das niemals angezogen.«


Oliver Bierhoff


PR-Treffen der Atomlobby sind in der Regel eher triste Veranstaltungen. Graue Männer in grauen Anzügen unterschreiben einen Brief, in dem die schier unendlichen Vorzüge von Atomenergie angepriesen werden. Letztes Jahr sollte es etwas farbenfroher zugehen und so holte man sich mit Teammanager Oliver Bierhoff (bevorzugt in hellblau) den Glanz der DFB-Elf ins Boot. Dieser setzte dann auch brav seine Unterschrift unter besagten Brief. Über die Beweggründe darf spekuliert werden, es lässt sich aber vermuten, dass Bierhoffs Vergangenheit eine Rolle gespielt haben dürfte: Sein Vater war Vorstandsmitglied beim Energiekonzern RWE.

George Weah

Afrikas bester Fußballer des vergangenen Jahrhunderts griff 2004 trotz fehlender politischer Erfahrung nach den ganz großen Sternen. Weah kandidierte bei den Präsidentschaftswahlen seines Landes und verlor erst in der Stichwahl gegen die spätere Nobelpreisträgerin Ellen Johnson-Shirleaf, die Weah daraufhin einen Posten als Minister anbot. Dieser lehnte ab und deutete an, dass die Wahl manipuliert wurde. Einen Monat nach Bekanntgabe des Ergebnisses erklärte er sich zum rechtmäßigen Präsidenten, was zu Unruhen in der Hauptstadt Monrovia führte. Später lenkte der ehemalige Stürmer ein und die Lage entspannte sich.

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